Julian Geiles Job ist es, zu spät zu kommen. Er ist Rechtsmediziner – seine Arbeit fängt oft erst dann an, wenn Menschen nicht mehr leben. Katharina Elsner hat ihn getroffen.

Julian Geile ist 27 Jahre alt und macht gerade seine Facharztausbildung zum Rechtsmediziner. In seinem Beruf beschäftigt er sich täglich mit dem Tod. Er muss herausfinden, was mit diesen Menschen passiert ist, die auf seinem Tisch liegen. Ein bisschen ist er wie ein Ermittler: Warum ist zum Beispiel der 40-jährige Mann gestorben, den die Polizei alleine in dessen Wohnung gefunden hat? 

"Julian hat mir erzählt, dass im Studium Kommilitonen manchmal zu ihm gesagt hätten: 'Krass, dass du das machst mit den Toten, irgendwas stimmt doch nicht mit dir.' Heute sagen immer noch viele seiner Kollegen: 'Interessant, aber ich könnte das nicht.' Ich frage mich eigentlich nur, ob er es nicht satt hat, jeden Tag Tote zu sehen."
Deutschlandfunk-Nova-Autorin Katharina Elsner

Unsere Autorin Katharina Elsner hat Julian Geile bei seiner Arbeit in der Rechtsmedizin besucht und ihm über die Schulter geschaut. Dabei hat sie einiges gelernt – zum Beispiel, wie eine Bauchdecke geöffnet wird. Aber auch, dass manchmal mehrere Menschen gleichzeitig bei einer Obduktion anwesend sind und es dann gar nicht so ruhig ist, wie sie sich das vorher vorgestellt hat.