In Italien hat die Polizei eine Mafia-Gruppe hochgenommen, die Geld mit Müll verdient. Speziell mit Plastikmüll. Planen aus der Landwirtschaft, die mit Pestiziden belastet waren, wurden nach China verschifft und kamen als Schuhe wieder zurück nach Italien. Journalist und Autor Sandro Mattioli erläutert die Strukturen des illegalen Müllhandels und verweist auch auf Schwachstellen in Deutschland.

Eigentlich nicht verwunderlich, dass die Mafia ihre Finger beim Plastikmüll mit im Spiel hat. Das Geschäft mit Müll ist lukrativ und der Einstieg niedrigschwellig: "Man braucht kein großes Fachwissen", sagt Journalist und Autor Sandro Mattioli. Er beschäftigt sich seit langem mit den Strukturen der Mafia in Italien.

Illegaler Müllhandel stärkt die Machtposition der Mafia

Im Wesentlichen sei der illegale Müll-Business für die Mafia auch so interessant, weil sie sich unverzichtbar macht. Einfach, weil es Menschen braucht, die Müll entsorgen, so der Journalist.

"Wenn die Mafia den Müll von einer Stadt oder einem Ort entsorgt, ist sie ein unverzichtbarer Player. Insofern baut sie ihre Machtposition aus, weil man sie einfach braucht."
Sandro Mattioli, Journalist und Autor

Mafia handelte mit belastetem Plastikmüll

Italienische Ermittler haben in Sizilien 15 Verdächtige festgenommen, die an einem großangelegten illegalen Handel mit Plastikmüll aus der Landwirtschaft mitgewirkt haben sollen. Das Modell lief laut Behörden so: Die Mafia hat Plastikplanen, die mit Pestiziden und Düngemitteln belastet waren, aus Folien-Gewächshäusern aufgekauft und nach China verschifft. Dort wurden aus dem giftigen Kunststoff Schuhe hergestellt, welche dann wiederum zurück nach Italien kamen und dort verkauft wurden. Das Material der Schuhe war belastet und gesundheitsschädlich. Ein riesiger Skandal.

Mafia übernimmt bestehende illegale Strukturen

Um die Kontrolle auf dem Recyclingmarkt zu bekommen, soll die Mafia den Ermittlern zufolge mit Erpressung, Körperverletzung, Bedrohung und Brandstiftung vorgegangen sein. Der illegale Handel mit Müll sei aber keine Erfindung der Mafia, sagt Sandro Mattioli. Die Strukturen seien schon da gewesen. Teilweise hätte die Mafia sie einfach übernommen.

"In Italien waren Netzwerke schon da. Teilweise sind die Mafiosis einfach nur in bestehende Geschäfte eingestiegen."
Sandro Mattioli, Journalist und Autor

Sandro Mattioli sagt, mit Müll werde nicht nur in Italien illegal Geld gemacht. Auch hier in Deutschland gebe es Leute, die viel Geld mit illegalen Deponien verdienen.

Das Besondere an Italien sei aber, dass die Mafia dort mit wirklich hochgiftigem Plastik gehandelt habe. Dabei gehe es um Chemieabfälle und teils auch radioaktive Stoffe.

"Man braucht ein paar Idioten, die die giftigsten Stoffe anfassen. Es ist kein Traumjob, aber gerade in Süditalien finden sie noch Leute, die das machen."
Sandro Mattioli, Journalist und Autor

Sowohl in Italien als auch in Deutschland haben Ermittler Probleme, den illegalen Müll-Geschäften auf die Schliche zu kommen. Zu verwoben sind die Geschäfte. Sandro Mattioli nennt die Panama Papers als Beispiel, bei denen die Geldgeschäfte auch so verwoben waren, dass lange Zeit keiner dahinter gekommen war.

Italien versucht, Mafiageschäfte einzudämmen

In Italien gebe es aber mittlerweile wenigstens Bemühungen, die Mafia-Geschäfte einzudämmen – beispielsweise mit dem Antimafia-Zertifikat. Wer in Italien öffentliche Gelder bekommen möchte, muss das vorher beantragen. Die Behörden machen dann eine Art Backgroundcheck, so Sandro Mattioli. Das funktioniere zwar nicht immer, aber immerhin werde etwas unternommen.

Hinweis: Bei dem oben verwendeten Foto handelt es sich um ein Symbolbild.