Wer weiß, dass aus dem Altpapier eine neue Gitarre oder aus dem Plastik ein Stuhl wird, zeigt eine höhere Bereitschaft, ordentlich seinen Müll zu trennen. Mit Info-Kampagnen soll das Recycling-Bewusstsein gestärkt werden.

Forschende aus den USA haben Probanden verschiedene Plakate gezeigt:

  • Plakat 1: Papiermüll, Plastikflasche, Dose mit der Botschaft: "Bitte recyceln!"
  • Plakat 2: Botschaft: "Gib Wertstoffen ein neues Leben“, man sieht neue Dosen, neues Papier und Plastik
  • Plakat 3: Aus dem Müll werden ganz neue Produkte: Gitarre, Jacke, Fahrrad

Recycling-Prozesse sichtbar machen

Die Probanden sollten Fragen zu den drei Plakaten beantworten und ihr Schmierpapier am Ende entsorgen. Menschen, die gesehen hatten, dass aus dem Müll etwas Neues entsteht (Plakat 2 und 3) haben zu 80 Prozent ihr Papier richtig entsorgt. Bei denjenigen, die Plakat 1 gesehen hatten, waren es nur 50 Prozent.

Demnach ist die Motivation, den Müll richtig zu trennen, höher wenn die Menschen wissen, was aus dem Müll wird. Eine reine Aufforderung hat einen weitaus geringeren Effekt. Das Ergebnis wurde mit weiteren Tests überprüft. Zum Beispiel mit Online-Werbung für eine Jeans, die später für die Isolierung eines Hauses genutzt werden kann. Und auch hier: Wenn die Menschen, den Transformationsprozess sehen, achten sie mehr darauf, dass die Produkte richtig entsorgt werden.

Kunden auf Recycling hinweisen

In Deutschland gibt es vereinzelt Werbung, die ähnlich arbeitet, beispielsweise von der Firma Frosch, deren Spülmittelflasche aus recyceltem Plastik hergestellt wird. Bei Drogerieketten wie DM, Rossmann oder auch bei Globus werden Verpackungen gekennzeichnet, die mindestens zu 70 Prozent aus Recyclat bestehen. Den Kunden wird so vermittelt: Kauft ihr dieses Produkt, unterstützt ihr Recycling.

In Deutschland sind bei der Mülltrennung die Kommunen ein wichtiger Player, weil sie für die Müllentsorgung zuständig sind. Deshalb gibt es bei uns nicht die eine Müllentsorgungsregel. Die Städte müssen also ihren Bewohnern klar machen, wie sie richtig trennen, damit das weggeworfenen Plastik wieder in den Kreislauf gebracht werden kann, beziehungsweise etwas Neues daraus hergestellt werden kann.

Info-Kampagne fürs richtige Mülltrennen

Dafür gibt es beispielsweise Abfallberater, die in Schulen erklären, wie Mülltrennung richtig funktioniert. In Euskirchen startet jetzt gemeinsam mit dem Grünen Punkt eine Info-Kampagne, die ab 2020 bundesweit eingesetzt wird. Dafür sind Radiospots, Plakatwerbung, Flyer und Infostände konzipiert worden. Norbert Völl vom Grünen Punkt sagt, dass die Kampagne Erfolg gezeigt hätte, die Menschen in Euskirchen hätten danach besser getrennt.

"Wir haben auch Sortierversuche in der Sortieranlage gemacht, die die gesammelten Abfallmengen sortiert, und haben festgestellt, dass das Gemisch wirklich besser geworden ist. Wir hatten weniger Fehlwürfe da drin."
Norbert Völl vom Grünen Punkt

Die Unternehmen könnten ihrerseits ebenfalls zu einer besseren Rückführquote beitragen. Beispielsweise könnte sie auf der Verpackung darauf hinweisen, dass sie aus recyceltem Material besteht. Oder einfach mehr Werbung dafür machen. Gerade bei der Verpackung könnten die Unternehmen noch besser werden, sagt Norbert Völl. Häufig werden Verpackung verwendet, die nicht recyclingfähig seien.

"Etwa ein Drittel der Kunststoffverpackungen, die in Deutschland auf den Markt kommen, sind nicht oder nur schlecht recyclingfähig. Das liegt an der Materialzusammensetzung oder auch an der Gestaltung der Verpackungen selbst."
Norbert Völl vom Grünen Punkt

Mischplastik ist meist nicht recyclingfähig. Aus reinem Plastik wie Polypropylen, aus dem Joghurtbecher bestehen, kann Neues entstehen wie Waschwannen oder Einkaufskörbe.