Dünger und Pestizide sollen in der kommerziellen Landwirtschaft für mehr Ertrag sorgen. Und machen dabei einem Untermieter das Leben zur Hölle. Dabei weiß schon jedes Kind: Regenwürmer sind gut für den Boden. Über einen Teufelskreis.

Auf einer Zeitreise in die Kindheit: Ihr steht mit Papa im Garten, er mit einem Spaten, ihr mit einem nur unwesentlich kleineren Grabgerät bewaffnet. Die Erde fliegt, bis da auch einmal ein kleines rosafarbenes geringeltes Etwas aus der Erde lug. Ihr schreit "Ihhhhhhh" und bewundert euren Vater umso mehr, der den Regenwurm aus dem Erdreich zieht, ihn außer Reichweite des Spatens wieder absetzt und euch erklärt: "Der ist gut für den Boden." Der Regenwurm ist dem Tod von der Schippe gesprungen und ihr habt etwas gelernt: eine Win-win-Situation.

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Umso mehr hat uns folgende Nachricht erschreckt: "Um die Regenwürmer ist es in Deutschland vielerorts schlecht bestellt", schreibt die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich dabei auf die Naturschutzorganisation WWF. Ätzende Gülle, Monokulturen und die intensive Bearbeitung des Bodens setzen unseren Freunden aus der Ordnung der Wenigborster zu. Wer bisher aufgepasst hat, dem ist sofort klar: das ist ein Problem - nicht nur für die Würmer. Auch Hobbygärtner und die Landwirtschaft bekommen es irgendwann zu spüren, wenn ein Tier bedroht ist, das gut für den Boden ist.

Kurz zusammengefasst funktioniert das mit den Regenwürmern nämlich so: Solange sie sich wohlfühlen, ziehen die Tiere im Erdreich ihre Bahnen, durchlüften den Boden und sorgen so dafür, dass der mehr Wasser aufnehmen oder durchleiten kann. Der Boden bleibt fruchtbar und verwandelt sich nebenbei noch in eine kostenlose Hochwasserversicherung.

Trickkiste statt Regenwurm

Alles könnte so schön sein, wenn sich die Landwirte in Sachen Regenwurm nicht in einen Teufelskreis manövriert hätten, wie es WWF-Expertin Birgit Wilhelm ausdrückt. Wenn sich der Regenwurm rar macht, muss der Bauer in die Trickkiste greifen, um dessen Job zu erledigen und dem Boden genug Ertrag abzuringen. In der kommerziellen Landwirtschaft heißt das: Dünger und Pestizide - und noch weniger Regenwürmer.

In Zahlen ausgedrückt: von den 46 Arten, die einst den deutschen Untergrund durchpflügten, ziehen unter den meisten deutschen Äckern nur drei bis vier ihre Bahnen. Mehr als die Hälfte aller Arten stuft der WWF als "sehr selten" oder sogar "extrem selten" ein. Ein besonders hartes Schicksal droht den Regenwürmern auf oder eher unter Mais-Monokulturen. Die Beschreibungen des WWF lesen sich wie Schilderungen direkt aus der Regenwurmhölle: Die Tiere verhungern, werden von Gülle-Ammoniak verätzt, bei der Bodenbearbeitung geschreddert und mit Glyphosat besprüht, das sie unfruchtbar macht.

Diese Tortur überstehen in der kommerziellen Landwirtschaft höchstens 30 Regenwürmer pro Quadratmeter. Wenn die Äcker etwas kleiner sind, können es 120 Exemplare sein, schreibt der WWF. Und wer einen Öko-Acker umgräbt, kann auf gleicher Fläche sogar bis zu 450 Tiere finden.