Schnee, Regen, Matsch, Glühwein und Rotznase – unsere Winterjacken müssen einiges mitmachen und bekommen mit der Zeit oft Flecken und Schmuddelränder. Wie wir sie richtig sauber bekommen, erklärt Lutz Vossebein, Professor für Textiltechnologie, textile Prüfung und Qualitätsmanagement an der Hochschule Niederrhein.

Wichtig ist, so der erste Tipp von Lutz Vossebein, zunächst mal zu schauen, um was für eine Jacke es sich handelt. Denn es gibt Unterschiede: "Hochwertige Jacken haben in der Regel eine Membran, also eine Polyurethan-Membranen oder diese Fluorcarbone auf der Oberfläche. Sie sind also regen- und schmutzabweisend", sagt er. Solange diese Membranen nicht beschädigt und die Jacken gut verarbeitet sind, sind sie grundsätzlich wasserdicht. Wenn wir sie waschen, gehen sie nicht kaputt – sofern wir uns an die Pflegeanleitung halten.

"Im schlimmsten Fall kippt man sich mal Bolognese über die Jacke, die man draußen vielleicht am Glühweinstand noch ergattern kann. Und dann wird es halt schwierig."
Lutz Vossebein, Professor für Textiltechnologie an der Hochschule Niederrhein

Was beim Waschen jedoch leidet, sind Imprägnierungen. "Auch die Membran-Jacken, obwohl sie schon per se wasserdicht sind, haben meistens aus ästhetischen Gründen noch außen eine Imprägnierung. Das hat dann den Effekt, das Wasser abtropft, und der Träger denkt dann: 'Super, Wasser wird abgestoßen, tolle Jacke'", erklärt Lutz Vossebein.

Wenn die Imprägnierung außen bei einer Membran-Jacke abgewaschen wurde, dann sieht man Regentropfen, die ins Gewebe ziehen. Es sieht dann so aus, als würde man nass werden können. Allerdings sehe das nur danach aus, die Membranen sollten aber dicht halten, so der Experte.

Unterschied zwischen Membran und Imprägnierung

Funktionsjacken mit Membranen können ein paar hundert Euro kosten. Günstigere Jacken sind dann im Unterschied zu den teuren Modellen lediglich imprägniert. Für die Imprägnierung werden unterschiedliche Mittel verwendet: Die Oberflächen werden dann durch Paraffine, Wachs, Fette oder Fluorcarbone wasserabweisend. "Wenn man die wäscht oder auch trägt – mechanischer Beanspruchung aussetzt – dann ist das so, dass diese Imprägnierung nachlässt", sagt Lutz Vossebein.

Er hat für eine Fernsehsendung mal verschiedene Waschmittel und Schäume ausprobiert, erzählt er, die versprechen, dass sie die Jacken dann gleich im Waschgang neu imprägnieren. Der Experte war von den Ergebnissen allerdings nicht sehr überzeugt. "Ich kriege das nicht so hin zu Hause, dass ich wieder eine tolle, imprägnierte Jacke habe", sagt er.

Ein Problem sei, dass die Jacken – oder andere Kleidungsstücke – dann auch von innen imprägniert sind. "Das ist nicht so angenehm auf der Haut. Wenn Sie sich vorstellen, dass ihr Innenfutter auch diese Imprägnierung hat. An den Stellen, wo Hautkontakt ist, fühlt sich das nicht so toll an. Und es nimmt natürlich auch gar keine Feuchtigkeit mehr auf", sagt er. Die Jacken sind dann nicht mehr unbedingt atmungsaktiv.

"Es kann sein, dass dann die Atmungsaktivität nachlässt."
Lutz Vossebein, Textiltechnologe, über Imprägnier-Waschmittel und -schäume

Für alle, die ihre hochwertigen Funktionswinterjacken reinigen lassen möchten, empfiehlt Lutz Vossebein, sie einfach mal alle zwei Jahre in die Reinigung zu bringen und es die die Profis machen zu lassen: "Die können das weitaus besser und auch effektiver", sagt er.

  • Moderatorin:  Sonja Meschkat
  • Gesprächspartner:  Lutz Vossebein, Professor für Textiltechnologie, textile Prüfung und Qualitätsmanagement an der Hochschule Niederrhein