Eine Reise nach Syrien, Somalia und Afghanistan ist für die meisten wohl keine Option. Doch es gibt Anbieter, die Pauschalreisen genau dort hin anbieten.

Nordkorea, der Jemen, Somalia sind Beispiele für Länder, für die das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgibt. Trotzdem gibt es Anbieter, die Pauschalreisen dorthin organisieren.

Anja Monshausen, die in der Abteilung Tourism Watch der Spendenorganisation Brot für die Welt arbeitet, sagt: Wer eine solche Reise bucht, ist meistens abenteuerlustig, interessiert am politischen System in den jeweiligen Ländern - oder hat Kontakt zu Menschen, die dort leben oder einmal gelebt haben.

Außerdem könnte in Zeiten von Insta und Co. auch eine Rolle spielen, sich darzustellen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau: "Guckt mal, was ich mich traue."

"Entweder reisen in solche Länder wirklich abenteuerlustige Menschen oder Menschen, die vor allen Dingen das politische System eines Landes interessiert."
Anja Monshausen, Abteilung Tourism Watch von Brot für die Welt

Spezialisierte Reiseveranstalter haben Länder wie Nordkorea oder Syrien im Angebot. Nach eigenen Angaben haben im vergangenen hunderte Touristen über sie eine Reise gebucht. Im August führt ein Anbieter die "Summer Syria Tour" durch: Neun Tage, inklusive Damaskus und Aleppo, also der Stadt, die vor paar Jahren im Bürgerkrieg in weiten Teilen von Regierungstruppen zerstört wurde.

Die spezialisierten Reiseveranstalter betonen: Sicherheit steht an oberster Stelle. Sie würden mit lokalen Experten zusammenarbeiten und je nach Situation die Reiseroute ändern. Passieren kann trotzdem etwas: Vor sechs Jahren wurde in Afghanistan eine Reisegruppe von den Taliban angegriffen, es gab Verletzte.

Ethische Frage

Neben der Frage, ob man in Länder wie Syrien reisen kann, kann man fragen: Sollte man es tun?

Touristen können mit ihren Reisen die lokalen Regierungen unterstützen - um nicht zu sagen: die Regime. Zum Beispiel können die Flughafen- und Visagebühren bei ihnen landen. Manche Staaten und Machthaber sind selbst aktiv im Tourismus und betreiben zum Beispiel Hotels wie in Sri Lanka oder Bangladesch.

Außerdem ist es der Bevölkerung in manchen Ländern nicht möglich, sich mit ihrer Meinung gegenüber Touristen unabhängig zu äußern. In Nordkorea etwa können sich Reisegruppen gar nicht frei bewegen. Abgesandte des Ministeriums begleiten Touristen auf Schritt und Tritt.

"Es wird auch ein positives Image in die Welt gesendet: Dass es hier ja gar nicht so schlimm ist, dass man einen schönen Strandurlaub machen kann, obwohl es wenige Kilometer beispielsweise ein Gefangenenlager gibt. Auf der anderen Seite ist es eine Möglichkeit, hinter die Kulissen zu gucken und sich ein eigenes Bild zu machen."
Anja Monshausen, Abteilung Tourism Watch von Brot für die Welt

Andererseits können solche Reisen auch helfen, den politischen und gesellschaftlichen Horizont zu erweitern und etwas über das Land zu lernen. Manche Reiseanbieter versuchen außerdem, Angebote wie Hotels zu buchen, die unabhängig von der jeweiligen Regierung arbeiten. "Wir schauen genau, wem wir Honorare geben für Gespräche, und da bevorzugen wir kritische Stimmen", sagt Christoph Dinkelaker vom Reiseanbieter Alsharq Reisen.

"Unser Bildungsanspruch ist, ein differenziertes Bild zu erhalten in Ländern, die mit vielen negativen Stereotypen behaftet sind."
Christoph Dinkelaker, Alsharq Reisen.

Christoph Dinkelaker bietet Reisen in den Libanon und Irak an. Er hält das für so lange vertretbar, wie kritische Gespräch möglich sind ohne in Gefahr zu geraten. Bei einem für Europäer eigentlich beliebten Reiseland bewertet er die Situation zurzeit anders: Ägypten.

Das Bild im Banner zeigt die Kreuzritterburg (Krak des Chevaliers) in Syrien, die seit 2006 auf der Liste der Weltkulturerbe der Unesco steht. Im Jahr 2013 wurde die Burg bei Luftangriffen schwer beschädigt.