Von einer Religion kann ja nicht nur in eine andere Religion konvertiert werden. Ein Konvertierungsziel kann auch einfach sein: Keine Religion. Für Rüdiger Vaas ist das genau das richtige. Denn es gibt keine überprüfbaren Hinweise, dass die Thesen der Religionen wahr sind.

Rüdiger Vaas als Atheisten zu bezeichnen, führt generell erstmal in die richtige Richtung. Dann ist klar: Er hat keine Religion. Aber: Er will nicht so genannt werden. Denn der Begriff setzt voraus, dass Religion der Normalzustand ist. Und wenn man sich gegen die Religion entscheidet, würde etwas im Leben fehlen. Der Atheist weicht sozusagen von der Norm ab.

Der Philosoph, Buchautor und Wissenschaftsjournalist Rüdiger Vaas sagt: Religion hat in seinem Leben keine Bedeutung. Deshalb sei es auch überflüssig zu fragen, ob er Atheist ist. Jemand, der keine Briefmarken sammelt, würde schließlich auch nicht als "Nichtbriefmarkensammler" bezeichnet.

Vaas hat sich (auch in seinem Buch "Gott, Gene und Gehirn: Warum Glaube nützt - Die Evolution der Religiosität") mit der Frage beschäftigt, warum es überhaupt Religion gibt. Da wäre zum einen die Sehnsucht, die Welt zu verstehen: Wieso ist sie, wie sie ist? Woher kommen wir? "Das kann die Wissenschaft inzwischen viel besser erklären", sagt Vaas.

"Wissenschaft ist das Gegenteil von Religion. Jede Erkenntnis steht auf dem Prüfstand. Es gibt keine sicheren Wahrheiten. Genau das aber suggeriert die Religion."
Rüdiger Vaas, Philosoph und Wissenschaftsjournalist

Und dann ist da noch ein Defizit. Etwa das von Albert Camus in der Absurdität des Daseins beschriebene: Vergänglichkeit, Vergeblichkeit, Scheitern. Religion gibt in dieser Hinsicht, aber auch in ganz alltäglichen Leiden manchen Menschen Halt und Trost.

Und doch bleibt sie irrational und ohne überprüfbare Nachweise, dass die behaupteten Thesen richtig sind - im Gegenteil zur Wissenschaft. Hier gibt es keine endgültigen Wahrheiten. Alles kann durch neue Erkenntnisse revidiert werden. Deshalb ist Wissenschaft auch keine Religion.