Wenn es nach der Mehrheit der jungen Deutschen geht, dann würde es ihnen völlig reichen nur bis zum 61. Lebensjahr zu arbeiten – so das Ergebnis einer Umfrage von Civey. Mit dem derzeitigen Rentensystem wird das aber kaum möglich sein. Im Gegenteil: Auch ohne Frührente wird es für viele im Alter mit dem Geld eher knapp werden.

Mit 55 oder 58 nur noch reisen, lesen, ins Theater und Kino gehen, einfach das Leben genießen. Schön wär's, denken sich mehr als 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen laut einer Umfrage im Auftrag des Demographie-Netzwerks ddn. Realistisch ist das mit dem bisherigen Rentensystem aber eher nicht.

Wenn weniger einzahlen gibt es weniger für alle

Das Problem: Wenn immer mehr Menschen früher in Rente gehen wollen und dadurch nicht mehr ins System einzahlen, die Gesellschaft gleichzeitig aber weiter altert, könnte das System irgendwann kollabieren.

"Vor 60 Jahren war es so, dass sechs Beitragszahler eine Rente finanziert haben. Aktuell ist es so, dass nur noch zwei Beitragszahler eine Rente finanzieren. Das heißt, wenn wir uns nur auf die staatliche Rente verlassen, dann klappt das nicht."
Sebastian Moritz, Host des ARD-Finanz-Podcasts "Economista"

Sebastian Moritz ist Host des Finanz-Podcasts "Economista" und er meint: Wer in der Rente gut leben will, braucht ungefähr 80 Prozent des letzten Netto-Einkommens. Die gesetzliche Rente wird das kaum erfüllen. Da hilft nur: private Vorsorge.

Der Experte rät, sich schon früh Gedanken zu machen und sich dabei folgende Fragen zu stellen:

  • Wie viel Geld habe ich überhaupt zur Verfügung?
  • Wo kann ich möglicherweise Abstriche machen?
  • Wo will ich überhaupt hin? Welche Summer muss ich ansparen?
  • Wie erreiche ich das mit den Mitteln, die ich bisher habe?

Eine populäre und sichere Altersvorsorge ist dabei immer noch die Immobilie. Denn schließlich ist der Kredit im Laufe des Lebens abbezahlt und am Ende kann mietfrei gewohnt werden.

Alternative: ETF-Sparplan abschließen

Es gibt aber auch Alternativen. Der Experte rät zum Beispiel dazu, einen ETF-Sparplan abzuschließen. Die Abkürzung steht für "Exchange Traded Funds". Nutzer:innen investieren also möglichst breit gestreut in Aktien mit geringem Risiko.

Wer früh anfängt, kann über den Zinseszins-Effekt schon beachtliche Summen zusammensparen, so der Finanzexperte. Zum Beispiel: Wer jeden Monat 150 Euro über 30 Jahre lang spart, hat am Ende und mehr als 200.000 Euro zusammen. Informationen gibt es online oder auch in einer persönlichen Beratung mit eine:r Honorarberater:in.

"Eine unabhängige Beratung gibt’s zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen, der Stiftung Warentest oder journalistischen Angeboten. Vorsichtiger sollten Suchende bei Bloggern sein, die für Aktienfonds oder Versicherungen unterwegs sind."
Mathias von Lieben, Deutschlandfunk Nova

Die private Vorsorge kann aber nicht die einzige Lösung sein. Auch die Arbeitsbedingungen müssen sich ändern, meint Frank Böhringer vom Demographie-Netzwerk ddn. Dann würden auch mehr Menschen länger arbeiten wollen.

"Ich glaube auch, dass es nicht möglich ist, diese ganzen verschiedenen Arbeitsmodelle mit einer klassischen "Rente bis 67"-Aussage abzuholen. Da braucht es neue Ideen, in den Betrieben aber auch eine Flexibilität, was den Einstieg in die Rente angeht."
Frank Böhringer, Vorstandsmitglied des Demographie-Netzwerks ddn

Würden körperliche Belastung und Stress abnehmen, könnten sich auch viele der Umfrageteilnehmenden vorstellen, länger zu arbeiten. Außerdem bräuchte es auch mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten und etwas mehr Gehalt, so Frank Böhringer.

Das Problem mit der Rente ist also nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch der Arbeitgeber:innen: Arbeit so zu gestalten, dass Arbeitnehmer:innen länger arbeiten können und wollen.

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  • Autor:  Mathias von Lieben, Deutschlandfunk Nova