Für Häftlinge ist es oft eine echte Herausforderung, auf legalem Wege Geld zu machen. Darum will ein neues Programm ihnen jetzt dabei helfen und aus Häftlingen Unternehmer machen.

Gestern im Knast im Knast gesessen, heute Geld als IT-Berater verdienen – was sich nach einem Filmplot anhört, ist die Biografie eines Ex-Häftlings. Dank des Leonhard-Programms haben es schon mehrere Ex-Gefängnisinsassen in Bayern geschafft, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und ganz neu anzufangen. Das Programm ist in Europa einzigartig, inspiriert von einem amerikanischen Vorbild. DRadio-Wissen-Reporter Julian Ignatowitsch hat sich mit angehenden Jungunternehmern in der Justizvollzugsanstalt in München-Stadelheim getroffen.

"Bevor ich im Leonhard-Programm war, war es der ganz normale Knastalltag. Jetzt ist es so, dass ich nach der Schule lernen muss, wir haben viel Stoff."
Sam, Strafgefangener im Gefängnis Stadelheim

Sam sitzt wegen illegaler Drogengeschäfte und Körperverletzung - insgesamt zwei Jahre. Danach will er seinen Dönerladen eröffnen. Starthilfe gibt im das Leonhard-Programm.

Häftlinge aus ganz Bayern können sich für das Programm bewerben. Pro Ausbildungsjahrgang werden zwischen 15 und 20 Bewerber ausgewählt. Die Ausbildung findet in München statt. Ein halbes Jahr lang haben die Häftlinge Unterricht von Montag bis Freitag. Zusätzlich gibt es spezielle Projekttage. Der Abschluss ist staatlich anerkannt.

"Ich bin selbstbewusster, kann mich länger konzentrieren und habe ein besseres Durchhaltevermögen."
Sam, Strafgefangener im Gefängnis Stadelheim

Die Programmverantwortlichen sehen das Potenzial, dass die Häftlinge mitbringen: Dealer haben durchaus Unternehmersinn, der nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden muss. Bernward Jopen gründete vor sechs Jahren das "Leonhard Projekt". "Säule Nummer eins ist eine Ausbildung in Unternehmertum und Wirtschaft, vergleichbar mit einem kleinen, praxisorientierten BWL-Studium", sagt Jopen. "Und Säule Nummer zwei ist ein Persönlichkeits- und Verhaltenstraining." Es ist ein Resozialisierungsprogramm, das von der Arbeitsagentur gefördert und mit Spenden finanziert wird. Ein Drittel der Spender sind Ex-Knackis und erfolgreiche Absolventen des Programms.

Geringe Rückfallquote

In den letzten sechs Jahren haben mehr als 100 Häftlinge ihren Abschluss gemacht. Fast zwei Drittel hatten innerhalb von nur einem Monat einen Job oder haben ein Studium aufgenommen nach der Entlassung. Außerdem haben sich 30 Prozent selbstständig gemacht. Und: 88 Prozent der Absolventen sind nicht rückfällig geworden. Damit ist das "Leonhard-Projekt" eins der erfolgreichsten Resozialisierungsprogramme in Deutschland.

Kritik gibt es auch. Ein Vorwurf laute, so Bernward Jopen, "dass wir aus wenig erfolgreichen Kriminellen sehr erfolgreiche Kriminelle machen, dass wir denen den letzten Schliff geben". Entkräftet wird dieses Argument durch die positiven Beispiele wie das von Patrick. Er arbeitet heute als selbstständiger Solaranlagentechniker.

"Ich bin seit eineinhalb Jahren draußen, mein Leben läuft super. Und ich habe in der Zeit so viele positive Sachen erlebt, dass ich an die Haftzeit kaum mehr zurückdenke."
Patrick, ehemaliger Strafgefangener