Möhren und Rote Beete, die eigentlich in der Mülltonne landen würden, werden im Restlos Glücklich zu kreativen Drei-Gänge-Menüs veredelt. Das schmeckt und schärft so das Bewusstsein für unseren Umgang mit Nahrungsmitteln.

Für den Koch Daniel Roick beginnt der Morgen im Restaurant Restlos Glücklich immer mit einem Blind Date. Denn er weiß nie, was die Nahrungsmittelspenden von Biogroßhändlern, kleineren Lebensmittelhändlern und Landwirten aus der Umgebung so für ihn bereithalten.

Zweite Chance für Lebensmittel

Auch wenn hier Nahrungsmittel verarbeitet werden, die sonst in der Mülltonne gelandet wären, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sortiert der Koch das Gemüse zuerst nach Qualität. Alles, was gammelig ist oder an der falschen Stelle schimmelt, kommt raus, der Rest darf weiter in die Küche und landet im Kochtopf für ein Drei-Gänge-Menü am Abend.

Daniel legt für jeden Gang eine Hauptkomponente fest, wie Rüben für die Vorspeise oder Melone für den Nachtisch. Bei der Arbeit in der Küche überlegt er sich dann, was dazu passen und wie er alles zubereiten könnte. Das endgültige Menü steht erst eine Stunde, bevor die ersten Gäste kommen.

Der Koch ist wie auch die Restaurantleitung fest im Restlos Glücklich angestellt und wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern bei der Arbeit unterstützt.

Öl, Gewürze oder Trockenware wie Mehl kauft das Team selbst ein. Unter den Spenden von Biogroßhändlern und Landwirten aus der Umgebung befinden sich aber keine leicht verderblichen Lebensmittel wie Fleisch oder Fisch, denn nach dem Verbrauchsdatum dürfen sie nicht mehr gegessen werden, anders als beim Mindesthaltbarkeitsdatum.

Gäste sollen den Wert von Lebensmitteln erkennen

Auch Tiefkühlkost fällt komplett weg. Was von den Reste-Lebensmitteln beim Kochen übrig bleibt, wird als Marmelade, Chutney oder Brotaufstrich haltbar gemacht oder kostenlos an soziale Einrichtungen weitergegeben. Weggeworfen wird praktisch nichts. Vorbild für das Konzept von Restlos Glücklich ist das Restaurant rub&stub in Kopenhagen, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert.

Genauso wichtig, wie die Zweitverwertung von Lebensmitteln ist den Machern aber, dass die Gäste wieder ihr Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln schärfen, indem sie über den eigenen Gaumen erfahren, was jeden Tag bei uns an leckeren Sachen in der Mülltonne landet. Laut Umweltbundesamt kommen allein durch die privaten Haushalte in Deutschland jährlich 11 Millionen Tonnen an Lebensmitteln zusammen.

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