In Rettungsschwimmer-Signalfarben, blauer Badehose und rotem Shirt, steht Mohammad Mahmood im Sand. Er lässt den Badesee nicht aus den Augen. Denn er ist seit einigen Wochen der zuständige Rettungsschwimmer. 

Im Gegensatz zu dem, was Mohammad und seine Kollegen schon erlebt haben, ist die Lage am Badesee absolut harmlos. Denn Mohammad und fünf weitere angehende Rettungsschwimmer sind aus Syrien geflohen. Sie haben die gefährliche Bootsfahrt über das Mittelmeer unternommen.  Jetzt retten sie – im Ernstfall – Menschen aus dem Wasser. 

Mohammad (links) und Ramadan (rechts)
© Deutschlandfunk Nova | Franziska Felber
Mohammad (links) und Ramadan (rechts)

Auch Ramadan Alzaher hat seit Ende März sein Rettungsschwimmerzertifikat. Der 25-Jährige denkt heute noch manchmal an eine Frau, die bei der Überfahrt nach Griechenland vor zwei Jahren mit ihrem Neugeborenen im Boot war. Wenn etwas passiert wäre, hätte er ihnen wohl nicht helfen können. Damals konnte er sich selbst kaum über Wasser halten. In seiner Heimatstadt Ar-Raqqa arbeitete Ramadan als Kfz-Mechaniker.  

Wie Mohammad und fünf andere Rettungsschwimmer wurden

Nach der Ausbildung am Berliner Kinder- und Familienzentrum FEZ hat die Einrichtung Mohammad übernommen. Er ist schon lange ein guter Schwimmer: Als Informatikstudent spielte er in seiner Heimatstadt Deerzwar in einer Wasserballmannschaft und nahm an Schwimmwettkämpfen teil.

Um möglichst schnell wieder etwas zu tun zu haben, entschied sich sein Kollege Ramadan für die sieben Monate bis zum Rettungsschwimmer-Zertifikat. Seine mangelnde Schwimmerfahrung hielt ihn davon nicht ab. Ein paar Differenzen gab es zu Beginn schon, sagt der Trainer der Jungs, den alle nur Charly nennen, der aber tatsächlich René Moegelin heißt.

"Die anfängliche Zuverlässigkeit war ein bisschen anders, als ich das so gewohnt war."
Trainer Charly über die Zusammenarbeit

Die fehlende Zuverlässigkeit lag aber auch an den vielen Behördenterminen seiner Auszubildenden. Doch Charly sagt auch:

"So ein Zusammengehörigkeitsgefühl habe er mit keiner Mannschaft vorher erlebt."
Trainer Charly

Sprachkenntnisse und Arbeitserlaubnis - das sind die beiden Dinge, an denen es noch hakt

Von der Herkunft des diensthabenden Rettungsschwimmers Mohammad scheinen die Badegäste am See keine Notiz zu nehmen. Das Ausbildungsprojekt sehen alle positiv. Dennoch: Damit sich die anderen Absolventen wirklich Hoffnung auf eine Anstellung in einem der Berliner Bäderbetriebe machen können, müssen sie besser Deutsch lernen.

Reporterin Franziska Felber mit den beiden Rettungssschwimmern
© Deutschlandfunk Nova | Franziska Felber
Reporterin Franziska Felber mit den beiden Rettungssschwimmern

Und dann ist da noch die Frage, ob die frisch ausgebildeten Rettungsschwimmer überhaupt arbeiten dürfen. Eigentlich hat auch Ramadan vom FEZ einen Arbeitsvertrag bekommen. Doch weil er auch zwei Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland noch keine Aufenthaltsgenehmigung hat, darf er ihn bislang nicht wahrnehmen. 

Das Projekt "Rettung in Sicht" ist erst einmal abgeschlossen. Das FEZ möchte bald aber wieder geflüchtete Menschen in anderen Tätigkeiten bei sich ausbilden.