Richtig Gassi gehen. Das heißt vor allem: Den Hund schnuppern lassen.

Hunde müssen raus, damit sie ihre Geschäfte erledigen können. Das aber ist nicht der einzige Grund, warum Hundebesitzer mit ihrem Hund vor die Türe gehen sollten. Raus geht es auch, damit der Hund seine normalen Hundebedürfnisse ausleben kann, weiß Deutschlandfunk-Nova-Redakteurin Verena von Keitz, die selbst einen Hund besitzt, Mona. Und die begleitet Verena auch oft mit in die Redaktion. 

Mona mit Reggaemütze
© DRadio Wissen
Mona in der Redaktion

Wenn es um die Bedürfnisse von Mona und auch allen anderen Hunden geht, dann sei es wichtig, an den Urahn des Hundes, den Wolf zu denken, sagt Verena. Denn die Bedürfnisse von Hund und Wolf seien sich immer noch sehr ähnlich. Das bestätigt auch der Hundepsychologe Thomas Riepe. Der Wolf durchstreife sein Revier und laufe es ab, um nach Nahrung zu suchen und die Reviergrenzen zu markieren. Demnach sei es auch ein Grundbedürfnis des Hundes, sein Revier zu durchstreifen, so Riepe.  

Bei einem Spaziergang steht bei Hunden auch die soziale Komponente im Vordergrund. Hunde sind soziale Lebewesen, keine Einzelgänger und deshalb sei es für sie schön, wenn sie andere Hunde treffen könnten, so Reporterin Verena. Der Hundepsychologe Thomas Riepe wird genauer und empfiehlt, dass der Hund pro Tag "einen Freund und einen Feind" treffen solle. So könne der Hund trainieren, dass er auch die Begegnung mit einem nicht so freundlich gesonnenen Hund aushalten kann. 

Hunden Zeit beim Spaziergang lassen

Mindestens genauso wichtig und spannend wie die direkte Begegnung, ist für Hunde aber auch der Check der Hinterlassenschaften anderer Hunde. Denn im Hundeurin steckten sehr viele Informationen: männlich, weiblich, gestresst, gut drauf, souverän oder ängstlich. Und das wollten andere Hunde lesen, sagt Thomas Riepe. Und dieses Lesen findet über die Hundenase statt.

"Darum sollten wir beim Gassigang den Hund schnüffeln lassen. Und zerren bringt gar nichts."
Thomas Riepe, Hundepsychologe

Dass Hundebesitzer ihren Hund an der Leine zerren, anstatt sie schnüffeln zu lassen, sieht Reporterin Verena auch oft. Die fehlende Zeit zum Schnuppern fehlt auch Hunden, die zum Beispiel zwei Stunden am Rad oder beim Joggen an der Leine mitlaufen. Ungut ist ebenfalls dauernd einen Ball zu werfen. Bei diesen Arten des Gassilaufens entwickelten die Hunde zwar viele Muskeln und Ausdauer, aber ihr Hundehirn und ihre Sozialkompetenz werde so gar nicht ausgelastet, sagt Verena. Für die Hunde sei aber genau das wichtig – wichtiger, als ein Supersportler zu sein.

Mona am Rhein mit Freund Chuli
© Deutschlandfunk Nova | Laureen Keitsch
Mona am Rhein mit Freund Chuli

Bewegung nicht unterschätzen und das richtige Maß finden

Grundsätzlich ist Bewegung für Hunde allerdings sehr wichtig, nur kurz zum Baum mit dem Hund reicht nicht aus. Sind Hunde immer nur an der Leine, bekommen sie schnell körperliche Probleme, so Tierärztin Monika Morlak. 

"Auf Dauer haben solche Hunde zum Beispiel häufig fast keine Muskulatur, die werden ganz schnell dick, weil sie nur ganz wenig Energie brauchen, und das ist auf Dauer für den Rücken für die Beine und fürs Herz nicht gut."
Tierärztin Monika Morlak

Wie lange ein Hund pro Tag vor die Tür muss, ist von Hund zu Hund verschieden. Hundesitzer sollten selbst herausfinden, was für den Hund und seinen Besitzer ein gutes Maß ist, empfiehlt Reporterin Verena. Und Tierpsychologe Thomas Riepe sagt, zwei Stunden am Tag sollten es schon sein. Und dabei ist es unerheblich, ob der Hund klein oder groß ist. Gerade manche kleine Hunderassen, wie der Jack Russel, seien quasi dafür gemacht, stundenlang unterwegs zu sein, sagt die Tierärztin Monika Morlak.

Für Hunde ist Gassigehen also mehr, als sich kurz zu erleichtern und kurz durch die Gegend gezerrt zu werden. Hunde wollen vor allem eins: Ausgiebig schnuppern. 

Mona auf einer Wiese
© Deutschlandfunk Nova | Verena von Keitz
Mona chillt auf der Wiese