Riesenkugeltausendfüßler: komplizierter, aber passender Name. Bei Gefahr rollen sie sich zu einer Kugel zusammen, damit ihr Panzer sie vor Feinden schützt. Dabei sind sie teils fast so groß wie ein Apfel, sehen also aus, wie eine Riesenkugel. Nur das mit den tausend Füßen, das stimmt nicht so ganz.

Entdeckt wurden die Tiere auf Madagaskar von Biologen aus Bonn und Hamburg. Auf der Insel gibt es noch immer viele unbekannte Arten. In einem Projekt wollten das Museum Koenig in Bonn, das Biozentrum Grindel und Zoologische Museum der Universität Hamburg unbekannte Arten von Tausendfüßlern und Insekten entdecken. Dabei fanden sie auch verschiedene Arten des Riesenkugeltausendfüßlers.

"Mit einem eingekugelten Weibchen ist natürlich kein Sex möglich."
Mario Ludwig, DRadio Wissen-Biologe

Das Einrollen zur Kugel ist für die Fortpflanzung jedoch schlecht. Nur ausgerollt ist Sex möglich. Um die Weibchen zu entkugeln, singen die Männchen Liebeslieder. Aber nicht mit dem Mund. Sie erzeugen Geräusche, indem sie ihr letztes Beinpaar an ihrem Panzer reiben.

Dieses Reiben der Beinpaare kann das Weibchen mit einem speziellen Sinnesorgan erfühlen. Denn die Weibchen sind taub, sie haben keine Hörorgane. Diese Lauterzeugung durch das Reiben von beweglichen Körperteilen nennt man Stridulation. Auch der Riesenkugeltausendfüßler beherrscht die Stridulation. Er kann sogar eine passende Tonfolge anstimmen, dann entkugelt sich das Weibchen. Wichtig ist aber, dass sich die richtigen Männchen und Weibchen finden. Denn es gibt diversen Arten von Riesenkugeltausendfüßlern mit unterschiedlichen Gesangsmustern.

Vier Riesenkugeltausendfüßler liegen nebeneinander auf dem Boden, sie sind unterschiedlich groß und braun, schwarz und rötlich.
Anscheinend sind Fressfeinde in der Nähe. Der Riesenkugeltausendfüßler macht sich nämlich zur Kugel, wenn Gefahr droht.

Tausendfüßler können noch mehr Außergewöhnliches. Bei Gefahr können sie aus Poren an ihren Körperseiten einen Blausäurehaltigen Giftcocktail versprühen, der zumindest kleinere Feinde töten kann. Für Menschen ist das Gift nicht tödlich, kann aber zu Schwellungen oder auch Rötungen der Haut führen. Gelangt das Gift ins Auge kann es sogar zu Trübungen der Hornhaut bis hin zur Erblindung kommen.

Die Tausendfüßler kommen

Und nicht nur das. In den vergangenen Jahren wurden einzelne Gemeinden, vor allem in Bayern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wiederholt von Tausendfüßler-Plagen heimgesucht. Millionen kleiner Tausendfüßler fallen dann über die Dörfer her. Putzt man die Tiere weg, sind andere am nächsten Abend schon wieder da.

Das Naturphänomen der "Tausendfüßlermasseninvasion" ist schon lange bekannt. Eine eindeutige Erklärung gibt es dafür noch nicht. Das Problem tritt aber zum Beispiel auf, wenn der Winter mild war. Warum die kleinen Tiere sich aber nur in manchen Gemeinden in Massen ausbreiten, dafür haben die Experten noch keine Erklärung gefunden.

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