Seit wenigen Tagen fahren Moritz Jüdes und Neil Masur mit einem Traktor namens "Anton" von Westfalen nach Berlin. Sie erkunden Land und Leute, sammeln Geschichten und Begegnungen. Sie wagen ein "Experiment der Langsamkeit", sagen sie. Gut möglich, dass ihre Reise viel weiter geht, als geplant.

Einfach mal das machen, worauf man Lust hat und nicht über alle Folgen lange nachdenken. Gedanken dieser Art sind vielen von uns nicht fremd. Oft aber bleibt es bei solchen Träumen. Nicht so bei Moritz (33) und Neil (26). Die beiden Mechaniker und Visionäre, wie sie sich selbst bezeichnen, fahren mit einem alten Traktor aus ihrer Kindheit quer durch Deutschland.

"Die Eindrücke, wenn man so langsam ist, sind so intensiv, dass es sich wirklich anfühlt, als hätte man drei oder vier Kinofilme am Stück geguckt"
Neil Masur

Die 600 Kilometer lange Route von Soest nach Berlin soll fast ausschließlich über Feld- und Wiesenwege durch das "Deutschland der Dörfer" führen. Ihr Wohnwagen dient als Wohnzimmer und Produktionsstudio für die Musik, die sie unterwegs machen.

Totale Entschleunigung

"Antons Reise" soll ein Experiment der Langsamkeit sein, dass die Ideen der Stadt mit den Geschichten vom Land verbindet. "Die Reise verändert den Blick auf die Dinge, sagt Neil.“Sich rauszunehmen und wie zwei Aliens auf das Land und die Menschen zu gucken, ist total spannend.“ Die Gespräche mit den Menschen auf dem Land, über den Traktor, über das Leben, über Gott und die Welt: "Es kommt ganz viel zustande, was nie passieren würde, wenn wir unsere Reise nicht machen würden", schwärmt Neil von den letzten Tagen.

Finanziert haben sie ihre Reise per Crowdfunding. Auf ihrer Homepage und bei Facebook berichten die beiden täglich von ihren Erlebnissen: "Bisher haben wir einen total schönen und regen Austausch mit unseren Unterstützern und auch Leuten, die so auf uns aufmerksam werden. Voll gut.“

Eigentlich soll in Berlin Schluss sein mit der Fahrt. Auf dem Tempelhofer Feld warten dann die Unterstützer des Projekts samt Kind und Kegel. Gut möglich, dass Berlin aber auch nur ein Zwischenstopp wird:

"Vielleicht ist der nächste Stopp Warschau, weil wir gar nicht anhalten können."
Neil Masur