Seit fast vierzig Jahren zieht Robert Mugabe die Strippen in Simbabwe. Zuerst als Ministerpräsident und seit 30 Jahren als Präsident. Jetzt könnte es damit vorbei sein. Das Militär hat die Kontrolle in dem südafrikanischen Land übernommen. Warum der 93-jährige Mugabe jetzt in Bedrängnis gerät, erklärt Südafrika-Korrespondent Jan-Philippe Schlüter. 

Die Armee in Simbabwe sagt zwar, es sei kein Putsch. Aber das hat damit zu tun, dass sie den Eindruck erwecken will, es sei ein verfassungskonformer Einsatz gegen kriminelle Elemente. Das Militär will keinen Ärger mit den Nachbarländern bekommen, weil die einen Putsch nicht akzeptieren würden. Es war ein sanfter Putsch, so die Einschätzung von Jan-Philippe Schlüter, unserem Korrespondenten in Südafrika.

"Auf den Straßen von Harare gehen die Menschen normal zur Arbeit, sind aber in einem Schwebezustand zwischen angespannt und hoffnungsfroh, dass die Ära Mugabe tatsächlich vorbei ist."
Jan-Philippe Schlüter, Südafrika-Korrespondent

Bislang hatte Robert Mugabe ein großes Netz an Leuten, die ihm den Rücken frei gehalten haben. Vor allem das Militär war Jahrzehnte lang fest an seiner Seite. Es hat jedoch schon immer seine eigenen Interessen verfolgt – fern von demokratischen Anwandlungen. Bislang hat Mugabe diesen Interessen am meisten entsprochen. Das hat sich geändert und deswegen hat das Militär jetzt eingegriffen.

Erst Hoffnungsträger, dann Diktator

Robert Mugabe ist 93 Jahre alt, schläft manchmal in Sitzungen, aber in seinen hellen Momenten ist er immer noch ein sehr versierter Machtpolitiker. Im Moment ist völlig unklar, ob das Militär es schafft, ihn zu einem Rücktritt zu überreden. Das wäre nötig, um einen geordneten Übergang hinzubekommen.

1980 wurde Mugabe Ministerpräsident in Simbabwe, 1987 dann Präsident. Damals hat Bundespräsident Richard von Weizsäcker Mugabe als einen "klugen, besonnenen Politiker, der um Ausgleich bemüht ist" bezeichnet. Zuerst war er tatsächlich der große Hoffnungsträger im Land nach dem Ende der Kolonialzeit. Er sprach von Versöhnung mit seinen weißen Brüdern im Land. Im Laufe der Jahre habe Mugabe sich aber vor allem aus machtpolitischen Gründen zum Despoten gewandelt, sagt Jan-Philippe Schlüter. Er ist Mugabe mehrfach persönlich begegnet.

"So skrupellos er auch sein kann, so intelligent und humorvoll ist er auch. Mugabe ist wahnsinnig unterhaltsam – eine gespaltene Persönlichkeit, die sehr viel Leid über das Land gebracht hat."
Jan-Philippe Schlüter, Südafrika-Korrespondent

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