Das einfache Volk, die Plebejer, hat sich im Jahr 287 vor Christus gegen die Patrizier, die Adligen und wohlhabenden Bürger, mit dem Plebis Scitum durchgesetzt. Fortan hatten Plebiszite Gesetzeskraft. Auch heute wünschen sich manche mehr direkte Demokratie via Referendum. Aber nicht jeder Volksentscheid ist zum Wohle des Volkes.

Die Auseinandersetzungen zwischen den Plebejern und den Patriziern in den Anfängen der Römischen Republik fanden am Ende des dritten Jahrhunderts ihren Höhepunkt, der gleichzeitig auch das Ende des Streits einläutete. 

Druck der Straße

Die Plebejer stellten etwa 98 Prozent der Bevölkerung, waren aber lange Zeit von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und willkürlichen Maßnahmen des Magistrats ausgesetzt. Die wirksamste Waffe der Plebejer war der "Auszug" – die "secessio plebis" aus der Stadt. Damit brach das öffentliche Leben in Rom zusammen, die Verteidigung war nicht mehr gewährleistet. 

Masse macht Referendum

Die Plebejer setzten 287 vor unserer Zeitrechnung auf die "secessio plebis" und versammelten sich auf einem der Hügel Roms im heutigen Stadtteil Trastevere. 

Dort beschlossen sie, mit der "Lex Hortensia", als Bedingung für ihre Rückkehr in die Stadt, von den Patriziern zu fordern, dass künftig die Beschlüsse der plebejischen Volksversammlung Gesetzeskraft für das ganze Volk – also auch für die Patrizier – haben sollen. 

Plebis Scitum bekommt Gesetzeskraft

Dieses Plebis Scitum – "Der Beschluss des Volkes" – ist die Vorlage für unsere heutigen Volksabstimmungen.  

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Althistoriker Michael Sommer schildert die soziale und politische Lage der Plebejer, die im 3. Jahrhundert v. Chr. etwa 98 Prozent der Bevölkerung in der Römischen Republik ausmachten.
  • Der Konstanzer Historiker Henning Börm geht der Frage nach, wie bedeutend die "Lex Hortensia" für das Ende des Ständekampfs und für den Aufstieg Roms zur europäischen Supermacht war. 
  • Hermann Heußner beschäftigt sich wissenschaftlich mit den verschiedenen Formen der direkten Demokratie und plädiert für mehr Plebiszite.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die Auseinandersetzungen zwischen den Plebejern und Patriziern in den Anfängen der römischen Republik.

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