In knalligen Pastelltönen, als Sneaker oder klassisch in Weiß rollen sie auf den Straßen und durch die Timelines von Social Media: Rollschuhe. Schon vor Corona waren die Retro-Skater aus den 1970er-Jahren angesagt. Durch die Pandemie hat der Hype um sie einiges an Fahrt aufgenommen.

Seit acht Wochen ist Nike Nitz auf ihren schweinchenrosa farbenen Rollschuhen unterwegs. Gerade übt die 28-Jährige auf dem Tempelhofer Feld in Berlin Drehungen. Fast täglich trainiert sie auf den asphaltierten Wegen des ehemaligen Flughafens. Am Anfang hat sie das noch alleine gemacht, mittlerweile sind auch alle ihre Freundinnen auf Rollschuhen unterwegs.

Inspiriert durch die Rollergirls aus L.A.

"Mich haben ein paar coole L.A.-Rollergirls auf Instagram inspiriert, die mit ihren fancy Schlaghosen in Kalifornien am Strand rumgefahren sind", sagt Nike. Auf dem Tempelhofer Feld fehlt zwar der Strand, aber das Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit wie in Los Angeles gibt es auch hier. Das Rollschuhfahren habe sie aus der bedrückenden und einschränkenden Lockdown-Stimmung herausgeholt.

"Für mich ist es auch ein Weg raus aus der Lockdown-Depression."
Nike Nitz, 28, fährt seit acht Wochen auf ihren Rollerschuhen

So ähnlich wie Nike scheint es in der Pandemie-Zeit Tausenden Menschen weltweit zu gehen: Rollschuhfahren erlebt einen neuen Hype. Als die Berlinerin Oumi Janta zum Beispiel im Juni 2020 ein Video auf Instagram hochlädt, das sie tanzend auf Rollschuhen zeigt, geht das viral. Mittlerweile hat es über drei Millionen Aufrufe, nachdem auch Stars wie Alicia Keys und Viola Davis das Video der Berlinerin geteilt haben.

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Rollschuhfahren als Lebensgefühl

Sonne, Musik und tanzende, ausgelassen Menschen: Videos wie das von Oumi Janta zeigen die rollende Unbeschwertheit, die die Nachfrage bei Rollschuhfirmen derart ansteigen lässt, dass sie teilweise mit der Produktion der Skates nicht hinterherkommen, bestätigt Florian Gravier von der französischen Rollschuh-Marke Flaneurz. Er findet, Videos wie die von Oumi Janta oder der Schauspielerin Ana Coto treffen einen Nerv. Die Pandemie habe aus dem Skating eine Art Rollschuhbewegung gemacht.

"Dass ihr Video viral gegangen ist, ist schon Teil des Trends. Ich glaube, es gab 2020 auch wegen der Pandemie so etwas wie eine Rollschuhbewegung, aber Skating war auch vorher schon im Anrollen."
Florian Gravier, Rollschuhmanufaktur Flaneurz

Davor hatten Rollschuhe zuletzt in den 1970er-Jahren in den USA und rund zehn Jahre später auch in Deutschland ihre Glanzzeit. Damals kamen die ersten Kunststoffräder auf den Markt, was dafür sorgte, dass Menschen auch in Klubs auf Rollschuhen tanzten.

Aus Sneaker wird Rollschuh

Seitdem wurde der Rollschuh über die Jahrzehnte immer weiterentwickelt – zum Beispiel von Skaterinnen und Skatern wie Florian Gravier.

Seine Rollschuh-Marke baut seit 2015 gewöhnliche Sneaker zu Rollschuhen um, bei denen sich die Rollen per Klick-System von der Sohle abnehmen lassen. Dafür präpariert das französische Start-up die Sohle des Sneakers mit zwei Metallplatten, an die Skaterinnen und Skater Rollschuhplatten einhaken können und später mithilfe eines Schlüssels wieder lösen.

Per Klick auf den Playbutton erfahrt ihr mehr über Florian Gravier, den Chef der französischen Rollschuh-Marke Flaneurz und die Sneaker-Rollschuhe.
"Ich erinnere mich, wie ich in Socken in der Pariser U-Bahn war. Mich hat ein Sicherheitsmann erwischt und ich musste meine Skates ausziehen. Damals dachten alle, die geskatet sind, wie cool es wäre, mit denselben Schuhen zu gehen und zu rollen."

Die wandelbaren Sneaker-Rollschuhe sind vor allem für Menschen gedacht, die mit Skates durch die Stadt fahren möchten und im nächsten Moment ohne Rollen zu Fuß laufen können, weil Rollschuhe im Supermarkt oder in der U-Bahn zum Beispiel nicht erlaubt sind. Für alle, die nur durch die Straßen skaten möchten, lohnt sich der Umbau von einem Sneaker in einen Rollschuh für einen Preis von 400 Euro eher nicht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Gesine Kühne.