In der rumänischen Stadt Cluj wurden Roma aus ihren Wohnungen vertrieben. Sie leben seitdem auf der Müllhalde Pata Rata und sortieren Müll für wenige Euro am Tag.

Cluj-Napoca ist eine schöne Stadt: sie liegt an einem Fluss, ist nach Bukarest die zweitgrößte Stadt Rumäniens und umgeben von Bergen und Wäldern. In der Altstadt reiht sich eine Bar an die andere – beliebt vor allem bei den 50.000 Studenten, die in der Stadt leben. Für seine Bewohner bietet Cluj eine hohe Lebensqualität, daher. Daher überrascht es also nicht, dass sie zum Youth Capital 2015 gewählt wurde. Aber es gibt Bürger, die am Rande der Gesellschaft in menschenunwürdigen Verhältnissen leben müssen: die Roma, die auf der Müllhalde Pata Rat eine notdürftige Bleibe gefunden haben.

"Wir wollen so leben wie andere Menschen: mit einem Badezimmer, einer Küche."
Magdalena, eine Roma, die mit acht Personen auf 12 Quadratmetern lebt

Alltägliche Diskriminierung von Roma

2.000 Roma leben in Pata Rat. Rund 76 Familien sind dort, weil die Stadtverwaltung ihnen ihre Wohnungen gekündigt hat. Jetzt wohnen sie in einfachen Behausungen auf der Mülldeponie: manche am Rande auf Feldern, andere direkt auf der Halde. Diskriminierung von Roma ist hier alltäglich - die Kommune möchte Wohnraum in angesagten Stadtvierteln freimachen und geht radikal vor. Die Roma werden aus ihren Wohnungen gedrängt und ziehen notgedrungen auf die Mülldeponie Pata Rat. Die liegt fest in der Hand der Müll-Mafia, die die Roma ausbeuten. Sie erhalten ihren kompletten Lohn vorab; mehr als vier Euro am Tag verdienen die Roma aber nicht.

"Du kommst hier an und bekommst 500 Lei, ungefähr 120 Euro von einem Patron."
Traian, ein 25-Jähriger Roma der mit seiner Frau und seinen Kindern in Pata Rat lebt

Leben auf der Müllhalde

"Es ist ein großer Vorteil hier herzukommen. Denn im Winter gibt es nirgendwo anders Arbeit für mich."
Traian, Roma, der auf der Müllhalde Pata Rat lebt

Schlechte Zukunftsaussichten

Die Menschen haben keinen Strom und kein fließendes Wasser. Die Müllhalde genügt schon von Anfang an nicht den Umweltvorgaben der Europäischen Union. Es gibt Diskussionen darüber, sie zu schließen. Vielleicht schon in den nächsten Monaten. Aber auch das bietet keine gute Zukunftsperspektive für die Roma, da sie vor allem im Winter keine Aussichten auf andere Jobs haben. Ein klein wenig Unterstützung gibt es inzwischen: Sozialarbeiter helfen den Roma bei einfachen Fragen und klären sie über ihre Rechte auf. Unser Reporter Florian Elsemüller hat ein Auslandssemester in Cluj verbracht. Für DRadio Wissen war er vor Ort, um über die Roma zu berichten, die auf der Müllhalde Pata Rat leben.

Roma, die aus ihren Wohnungen gedrängt wurden