Der Roman "Was sollen die Leute denken" von Jess Jochimsen ist die zynische Abrechnung eines Mannes - mit sich selbst, mit den Nachbarn, mit seiner Mutter, mit dem Schulpsychologen, mit Günther Jauch, einfach mit allen.

Er hat sich Mühe gegeben. Er wollte dieses Glück wirklich. Er hat sogar das Lied vom Glück gesungen, immer donnerstags, im Chor. Aber: Es hat. Nicht. Gereicht. Dieser Mann hat sich abgesetzt, und irgendwo eingeschlossen, und bekämpft das Rauschen von draußen, indem er sitzt und ohne Pause redet. Mit sich selbst. Mit uns als Publikum. Die Leute. Das sind wir.

Abrechnung eines Glücklosen

Er will kein Hobby. Und er will auch nicht danach gefragt werden. Erst recht nicht von Günther Jauch in "Wer wird Millionär?". Solche Fragen sind doch nur Nettigkeitsgetue. Braucht kein Mensch. Was sagt man da? Lesen? Malen? Reiten? Was sollen die Leute denken. Ist das eine Frage oder ein Vorwurf? Und wen interessiert es, was die denken? Und mal angenommen, es könnte interessant sein, was sie denken, warum fragt man sie dann nicht gleich danach?

Jess Jochimsen ist 1970 in München geboren und lebt als Autor und Kabarettist in Freiburg. Er tritt regelmäßig bei "Scheibenwischer", "Quatsch Comedy Club" oder "Mitternachtsspitzen" auf. 2000 erschien sein Debütroman "Das Dosenmilch-Trauma". Danach hat Jess Jochimsen weitere Erzählungen und Romane veröffentlicht.