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In seinem Vortrag nähert sich der Historiker Jörn Schütrumpf der politischen Aktivistin und Marxistin Rosa Luxemburg über ihre polnisch-russische Herkunft an.

Vor 150 Jahren, im März 1871, ist Rosa Luxemburg im heutigen Südosten Polens zur Welt gekommen. Damals war dieses Gebiet noch Teil des russischen Zarenreiches. Mit 48 Jahren wurde sie in Berlin von Freikorps ermordet. Am 13. Juni 1919 – erst Monate nach ihrem Tod – wurde sie in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt.

In seinem Vortrag setzt sich der Historiker, Autor und Verleger Jörn Schütrumpf insbesondere mit den polnisch-russischen Wurzeln der Freiheitskämpferin Rosa Luxemburg auseinander.

"Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für die Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden."
Rosa Luxemburg in "Zur russischen Revolution" (1918)

Rosa Luxemburgs Satz von der Freiheit der Andersdenkenden hat Konjunktur. Er wird häufig zitiert, und dabei oft verdreht, verkürzt oder missverstanden, sagt Jörn Schütrumpf.

Der Historiker schildert in seinem Vortrag Rosa Luxemburgs Aufwachsen in der bildungsaffinen Familie eines jüdischen Holzhändlers. Rosa Luxemburg ist begabt, spricht viele Sprachen, ist bewandert in Literatur und Kunst.

Rosa Luxemburg zieht nach Zürich, um studieren zu können

Nach einem ausgezeichneten Abitur geht sie 1898 nach Zürich, weil Frauen dort studieren dürfen. Hier begegnet sie Leo Jogiches, der ein russischer Marxist ist. Es entsteht eine Liebesbeziehung zwischen den beiden. Rosa Luxemburg nimmt ihre politische Arbeit auf.

"Sie war eine Linke, sie war eine Frau, sie war eine Jüdin, sie war eine Polin. Und - das Allerschlimmste, was man in Preußen-Deutschland sein konnte - sie war eine Intellektuelle."
Jörn Schütrumpf, Historiker

Jörn Schütrumpf schildert in seinem Vortrag insbesondere Rosa Luxemburgs Arbeit für die polnische Sozialdemokratie. Für den Redner liegt in Luxemburgs polnisch-russischer Seite der Schlüssel zum Verständnis ihrer Person.

"Das waren ja ihre Erfahrungen! Sie kam ja aus einem Polizeistaat. Sie wusste, was es bedeutet, wenn man jederzeit verhaftet werden konnte, jederzeit nach Sibirien geschickt werden konnte."
Jörn Schütrumpf, Historiker

Aus dieser Arbeit speise sich ihr Verständnis von Parlamentarismus, Demokratie und Parteienarbeit, sagt Schütrumpf.

Der Vortrag

Jörn Schütrumpf hat seinen Vortrag "Die Andersdenkende - Rosa Luxemburg" am 6. Mai 2021 in Berlin eigens für unsere Sendung "Hörsaal" eingesprochen. Er leitet die Fokusstelle Rosa Luxemburg bei der Rosa Luxemburg Stiftung. Als Verleger hat er zahlreiche ihrer Schriften und Werke ihrer WeggefährtInnen herausgegeben. Das liebste Buch sei ihm der Band mit ihren Liebesbriefen, verrät er.