Rotmilane sind gefährdet - auch durch Windkraftanlagen. Dennoch will der Energiekonzern EnBW eine Sondergenehmigung für Windkraftanlagen bei Stuttgart in einem Gebiet mit vielen Rotmilanen. Was ist wichtiger: Arten- oder Klimaschutz?

Der Rotmilan ist bedroht - und zwar weltweit. Aber vor allem in Deutschland ist der Greifvogel heimisch. Hier brütet mehr als die Hälfte der Rotmilane und "deshalb haben wir eine besondere Verantwortung", sagt Wissenschaftsjournalistin Britta Fecke.

Der Kopf eines Rotmilans, es regnet.
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In Deutschland gibt es noch zwischen 12.000 und 18.000 Brutpaare des Rotmilans. Seit 1990 ist der Bestand um ein Drittel zurückgegangen.

Auch in Deutschland ist der Rotmilan gefährdet. Wie alle heimischen Greifvögel steht er auf der Liste der streng geschützten Vogelarten. Die intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden machen ihm das Leben schwer. Aber nicht nur das. Der Rotmilan ist auch bedroht vom sogenannten Vogelschlag: Teils werden die Vögel im Flug von Windkraftanlagen zerfetzt. 2015 sollen so etwa tausend Rotmilane gestorben sein, sagt Fecke.

EnBW will eine Sondergenehmigung für Windkraftanlagen

Dennoch will der Energiekonzern EnBW eine Sondergenehmigung für den Bau von Windkraftanlagen in Baden-Württemberg. Östlich von Stuttgart soll gebaut werden, in einem Gebiet mit vielen Rotmilanen. Klimaschutz soll vor dem Artenschutz stehen.

Passend dazu kommt eine Studie, dass der Rotmilan nicht unter der Windkraft leide. Hans-Josef Fell vom Schweizer Umweltbüro KohleNusbaumer hatte die Studie "Windenergie und Rotmilan: Ein Scheinproblem" vorgestellt. Darin heißt es, dass die Windkraftanlagen für die Greifvögel nicht gefährlich seien und die Population wachse.

"Man muss wissen, dass das Büro des Studienautors Oliver Kohle auch Windkraftanlagen plant."
Wissenschaftsjournalistin Britta Fecke

Die Studie ist extrem umstritten. Es stimme zwar zum Beispiel, dass die Population des Rotmilans wächst - allerdings eben gerade nur in den Gebieten im Südwesten Deutschlands, wo es keine Windkraftanlagen gibt, sagt Fecke.

Artenschutz lässt sich mit dem Klimawandel verknüpfen. Zum Beispiel, indem Windkraftanlagen nicht vereinzelt aufgestellt werden, sondern geballt. Daran können sich die Tiere dann gewöhnen, sagt Fecke. Ebenso gelten aber auch wichtige Regeln: Dazu gehört, dass Windkraftanlagen in ausreichendem Abstand zu Brutgebieten errichtet werden.