In Rumänien gibt es Riesenflächen unberührten Urwalds - ein einzigartiger Naturschatz in Europa. Gleichzeitig ist Rumänien das EU-Land, in dem am meisten Urwald abgeholzt wird. Jahrhundertealte Bäume werden gefällt und sind so für immer verloren.

Es ist schon ein paar Monate her, dass Laura uns, der Deutschlandfunk-Nova-Redaktion, eine Mail geschrieben hat. Laura lebt in Deutschland, kommt aber aus Rumänien. Und sie macht sich Sorgen um den Urwald in ihrem Heimatland.

"Ich erinnere mich: Als Kind bin ich oft mit meiner Familie in einem Wald in der Nähe von meiner Heimatstadt spazieren gewesen", berichtet uns Laura. "Bis eines Jahres, als wir im Frühjahr wieder da waren und wir den Wald nicht mehr gefunden haben - alles abgeholzt."

Kein Respekt vor dem Wald

In Rumänien werden die Urwälder illegal abgeholzt. Das sagen die Umweltschützer von Green Agent. Gabriel Paun ist einer von ihnen. Er kontrolliert mit Drohnen die Abholzungen der großen Wälder Rumäniens. Nur aus der Luft sei das Ausmaß der Zerstörung richtig überblicken: "Wenn ich sehe, was hier gemacht worden ist, zeigt es mir, dass sie den Wald nicht nur nicht respektieren", sagt Gabriel Paun. "Es sieht so aus, als würden sie den Wald hassen."

"Es sieht so aus, als würden sie den Wald hassen."
Gabriel Paun, Green Agent

Laut Umweltorganisation Euronatur sollen von den im Jahr 2004 erfassten mehr als 200.000 Hektar unberührter Wälder nur noch die Hälfte unversehrt sein.

Aus der Luft lassen sich kahle Stellen im Wald erkennen. Die seien frisch und illegal gerodet worden, sagt Gabriel Paun von Green Agent. Obwohl viele Wälder nach EU-Recht und auch nach rumänischem Recht besonders geschützt seien.

Rumäniens Naturschatz wird abgeholzt

Die Karpaten-Wälder Rumäniens bestehen aus alten und unberührten Mischwäldern. Und sie sind ein für Europa einzigartiger Naturschatz. Braunbären leben hier, Luchse, seltene Vögel, berichtet unser Korrespondent Srdjan Govedarica: "Hier finden seltene und bedrohte Arten vielleicht ihre letzte Zuflucht." Teilweise sind die Wälder Naturschutzgebiete.

"Dieser Ort sollte ein Schutzgebiet sein. Aber überall um mich herum ist der halbe Wald weg."
Gabriel Paun, Green Agent

Der Vorwurf Pauns und anderer Umweltschützer: Die Forstverwaltung kontrolliert zu wenig oder schaut bewusst nicht auf die illegalen Abholzungen.

Minister verteidigt Forstverwaltung

Ion Deneș, Minister für Wasser- und Forstwirtschaft, verteidigt seine Verwaltung: Es seien nur 40 Prozent aller Wälder in Staatsbesitz, dort würden die Regeln streng kontrolliert. "Wir sagen nicht, dass alles perfekt funktioniert", sagt Ion Deneș. "Aber wir betreiben Kontrollen und verbessern sie ständig."

Gabriel Schwaderer von Euronatur glaubt dem Forstminister nicht. Die ausgewiesenen Schutzgebiete würden nur auf dem Papier bestehen, auch innerhalb der Nationalparks werde abgeholzt. "Die Forstmanagement-Pläne stehen in einem grundsätzlichen Widerspruch zu den Naturschutz-Plänen für diese Schutzgebiete", sagt Gabriel Schwaderer.

Die Umweltschützer haben nun eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht.

Korrektur:

In einer früheren Version dieses Textes stand, im Jahre 2004 habe es in Rumänien mehr als 2000 Hektar unberührte Wälder gegeben. Es waren mehr als 200.000. Wir haben es geändert.