Wladimir Putin reitet oben ohne, spielt Eishockey, und sammelt Pilze beim Wandern in der sibirischen Taiga – Er präsentiert sich gerne als starker Mann. Bisher wurde er dafür oft belächelt, doch jetzt scheint er es auch immer mehr zu sein. Denn kaum ein zentrales Problem dieser Welt lässt sich aktuell ohne Russland klären.

Während sich die USA aus Syrien zurückziehen, sich das Verhältnis zwischen Europa und der Türkei weiter zuspitzt, bleibt Russland der Vermittler. Er nutze die tiefgreifenden Differenzen zwischen den NATO-Staaten, um den Einfluss Russlands in der Region weiter auszubauen, sagt Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln.

"Er wird sagen: Seht her, liebe türkische Regierung, auf die Europäer könnt ihr euch nicht verlassen, auf die Amerikaner auch nicht. Aber es gibt einen Partner, der dafür sorgt, dass Regierungen, und sind sie noch so schlimm, im Amt bleiben – und das ist Präsident Putin."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler

Putin stärkt Außenpolitik

Immer deutlicher zeichnen sich Moskaus geopolitischen Ambitionen ab, erklärt Thomas Jäger: Nicht nur in den Iran und Nordkorea, Putins Einfluss reicht bis weit nach Afrika. Eines der wichtigsten Länder ist hierbei die bettelarme Zentralafrikanische Republik – ein Land, in dem seit Jahren ein Bürgerkrieg schwelt. Dort sind russisches Militär und Söldnertruppen im Einsatz, dort sind russische Investoren aktiv. Mit seinem außenpolitischen Kurs verfolge Putin ganz klar eigene Interesse, davon ist Jäger überzeugt. Durch den wachsenden Einfluss Russlands auf internationaler Ebene stärke Putin die Machtposition im eigenen Land.

Putin, der Held im eigenen Land

Er vermittelt seiner eigenen Bevölkerung ein Gefühl von Sicherheit, obwohl die wirtschaftliche Lage Russlands katastrophal sei, sagt der Politikwissenschaftler. Russland sei zwar das größte Land der Erde, trotzdem habe Wladimir Putin "eine schwächelnde Wirtschaft. Der Rubel ist keine starke Währung und die Bevölkerung geht zurück." Für Thomas Jäger "boxt Putin über seiner Gewichtsklasse." Denn das einzige was ihm zur Machtressource bleibe, sei das russische Militär.

"Das einzige, was ihm als Machtressource bleibt, ist das Militär und eben der Wille, dieses Militär auch einzusetzen. Und das tut er momentan äußerst geschickt und bringt sich in den wichtigen Konflikten immer wieder ein."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler

Bisher habe der russische Präsident Erfolg mit seiner Strategie, sagt Jäger. Putin sei es über viele Jahre hinweg gelungen, "einen erheblichen Teil der Gesellschaft ideologisch so mitzunehmen, dass sie die Stärke Russlands als einen wichtigen Antrieb sieht, diesen Präsidenten zu unterstützen.“