Noch so ein Ding und Russland fliegt aus der EM. Wegen der Ausschreitungen nach dem Spiel gegen England gab es eine satte Strafe gegen Russland. An der russischen Fan-Basis bekommen die Hooligans kaum Gegenwind.

Die offizielle Reaktion der Russen auf die Strafe der Uefa lautet etwa so: hart, aber in Ordnung. Sie sieht nicht nur 150.000 Euro Strafe vor, sondern auch, dass Russland von der Europameisterschaft ausgeschlossen wird, sollte es erneut Krawalle geben. Am Samstagabend war es nach dem EM-Spiel zwischen Russland und England zu Ausschreitungen gekommen: im Stadion, genauso wie in der Altstadt von Marseille. Die Strafe bezieht sich allerdings nur auf die Gewalt im Stadion, erklärt Russland-Korrespondent Markus Sambale.

Riesiges Polizeiaufgebot - aber fehlende Arbeit an der Basis

Seit etwa 20 Jahren gibt es die russische Hooliganszene - entstanden vor allem in den Großstädten Moskau und St. Petersburg. Wie viele es sind, dazu gibt es nur Schätzungen: es könnten Hunderte oder Tausende sein. Fußball ist für die Hooligans auch in Russland nur der Schauplatz. Ihr eigentliches Ziel: Massenschlägereien, Randale. Nachdem es in den 90er Jahren dabei sogar Tote gegeben hatte, ist das Gewaltproblem in der russischen Liga weitgehend unter Kontrolle. "Allerdings nur durch ein riesiges Polizeiaufgebot im Stadion", erklärt Markus Sambale, "da verabredet man sich dann woanders, um sich zu kloppen".

"Wenn man die Maßnahmen gegen Hooligans in Russland mit denen von anderen Ländern in Europa vergleicht, dann werden hier viele Probleme noch toleriert."
Markus Sambale, ARD-Korrespondent in Moskau

Offiziell rügt zwar der russische Sportminister Witalij Mutko die Ausschreitungen, andere hochrangige Funktionäre spielen die Sache runter. Igor Lebedew, Vorstandsmitglied des russischen Fußballverbandes lobte auf Twitter sogar: "Gut gemacht". Eine weitere schwierige Besetzung: Alexander Schprygin, der Vorsitzende des russischen Fan-Verbandes hat eine zwielichtige Vergangenheit, ist durch rechte Gesten und Sprüche aufgefallen. Er ist aber dafür verantwortlich, welche Fans Tickets bekommen.

Offizielle Aufrufe zu Gewaltlosigkeit bringen leider wenig, wenn sie nicht an der Basis unterstützt werden. Fanbeauftragte, Sozialarbeiter, Kampagnen gegen Rassismus und Homophobie - all das spielt in der russischen Fanarbeit kaum eine Rolle, sagt Markus Sambale. "Auch weil,es in der russischen Gesellschaft noch nicht so verwurzelt ist, dass man diese Probleme ganz offen und entschieden angehen muss."

Im nächsten Jahr steht der Confed-Cup in Russland an und dann 2018 die Fußball-WM. Durch ein großes Polizeiaufgebot lässt sich formal für Sicherheit sorgen, sagt Russland-Korrespondent Markus Sambale. "Wie sehr es gelingt, die Stimmung zu drehen, damit sich die Masse der Gewalt und dem Rassismus entgegenstellt, da habe ich im Moment noch große Zweifel."