Mütter und Ehefrauen in Russland kritisieren die Mobilmachung und die Bedingungen, unter denen die Soldaten zu kämpfen haben. Putin will sich mit manchen von ihnen treffen, aber nur mit ausgewählten.

Seit der Teilmobilmachung in Russland werden tausende Männer zum Kriegsdienst eingezogen. Das heißt für viele Frauen, dass Sie ihren Partner oder Ehemann womöglich nicht mehr wiedersehen. Die Mütter bangen um ihre Söhne im Krieg.

Schon seit 1989 gibt es in Russland ein organisiertes Komitee der Soldatenmütter. Dieses Komitee ist dem Kreml gegenüber kritisch eingestellt. Zu einem Treffen zwischen Soldatenmüttern und Präsident Wladimir Putin, das es womöglich am 25. November, dem "Tag der Mütter" in Russland geben soll, sind Vertreterinnen dieses Komitees nicht eingeladen. Ebenfalls unerwünscht ist ein neu gegründeter "Rat der Ehefrauen und Mütter" von Soldaten.

Putin wird sich nicht öffentlich der Kritik stellen

"Man erwartet eine handverlesene Auswahl von Ehefrauen und Müttern - wenn Putin sich denn überhaupt mit den Frauen treffen wird", sagt Sabine Adler, Deutschlandfunk-Russland-Korrespondentin.

"Die Mobilmachung findet in völliger Gesetzlosigkeit statt."
Valentina Melnikowa, Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands

Kritik, die sich Putin also so oder so nicht anhören wird, lautet unter anderem: Aus manchen Teilrepubliken wie Dagestan werden überproportional viele Männer eingezogen – viel mehr als zum Beispiel aus Moskau oder St. Petersburg. Und: Die Soldaten sind schlecht ausgestattet und ausgebildet, erhalten zu wenig zu Essen und werden von den Kommandeuren im Stich gelassen.

Keine Kritik am Krieg an sich

Das Komitee der Soldatenmütter hat erklärt, aktuell erhalte es so viele Beschwerden wie noch nie – deutlich mehr als in den beiden vergangenen Tschetschenien-Kriegen zusammen. Die Mobilisierung finde in "völliger Gesetzlosigkeit" statt.

Aber: So heftig die Kritik an der Mobilmachung und den Bedingungen für die Soldaten auch ausfallen mag – eine Kritik am Krieg an sich sei das nicht, betont Sabine Adler.

Zudem werde die Kritik auch nicht in russischen sondern meist ausländischen Medien gegenüber geäußert: Valentina Melnikowa vom Komitee der Soldatenmütter beispielsweise gab dem britischen Guardian ein Interview. Denn "im Land sebst wäre eine solche Kritik undenkbar".

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartnerin:  Sabine Adler, Korrespondentin für Russland