Goldgräber-Stimmung in Afrika und mittendrin: Russland. Nach jahrelanger Abwesenheit will Putin sein Engagement in Afrika weiter ausbauen. Das Motto: Hilfe zum Selbstzweck. Denn es geht um Waffen, Macht und Wachstum.

Europäer haben im Kolonialzeitalter die Welt erobert. Viel später kamen die Japaner und eroberten mit ihren Waren die Welt. Jetzt sind die Chinesen auf dem Vormarsch. In Afrika bauen sie Flughäfen, Straßen, Eisenbahnen und Energietrassen. Auch Russland will seine Machtposition in Afrika stärken und nutzt Lücken, die USA und Europa hinterlassen.

Russland streckt rund drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus auf dem afrikanischen Kontinent wieder seine Fühler aus: alte Kontakte aus Sowjetzeiten sollen wiederbelebt werden. Um das zu schaffen, scheut Präsident Putin keine Mühen. Bei einem zweitägigen Treffen in Sotschi erwartet er mehr als 40 afrikanische Staats- und Regierungschefs. Eingeladen sind insgesamt 10.000 Teilnehmer aus 54 afrikanischen Staaten und Russland.

Wirtschaftliche Interesse und geopolitisches Kalkül

Russland hat zuletzt schon viele militärische und politische Vereinbarungen mit afrikanischen Staaten getroffen. Eines der wichtigsten Länder ist dabei die Zentralafrikanische Republik: Ein Land, in dem seit Jahren ein Bürgerkrieg schwelt. Dort sind russisches Militär und Söldnertruppen im Einsatz und russische Investoren aktiv. Gold- und Diamantenminen würden dort schon seit längerem von russischen Söldnern kontrolliert werden, sagt die ARD-Korrespondentin für für Ost- und Zentralafrika Antje Diekhans.

"Es gibt wohl schon, zum Beispiel in der Zentralafrikanischen Republik, einige Minen von Diamanten oder Gold, die von russischen Söldnern kontrolliert werden."
Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin für für Ost- und Zentralafrika

Ein weiterer Beweis für Putins geopolitische Ambitionen: russische Waffenexporte. Bis zu 40 Prozent gehen nach offiziellen Angaben aus Moskau in afrikanische Staaten – und kommen dort in regionalen Konflikten zum Einsatz. Darüber hinaus eröffne eine rasant wachsende Bevölkerung in Afrika neue Möglichkeiten, sagt Antje Diekhans. Für Russland gehe es in erste Linie um neue Absatzmärkte. Bis 2050 könnte sich die Bevölkerung auf dem Kontinent sogar verdoppeln.

Goldgräber-Stimmung in Afrika

Neben dem Ausbau politischer Macht und der Erschließung von neuen Absatzmärkte, erhofft sich Russland Zugriff auf wertvolle Rohstoffe, wie Uran, Gold und Diamanten. "Heiß begehrt" sei vor allem Kobalt, sagt Antje Diekhans. Ein silbrig-graues Metall, das unverzichtbar für die Herstellung von wieder aufladbaren Batterien und damit für Handys, Laptops oder Tablets ist.

"Gerade auch Krisenländer wie der Kongo oder die Zentralafrikanische Republik haben wertvolle Rohstoffe: Uran, Gold, und Diamanten. Und natürlich auch noch Kobalt und Coltan."
Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin für für Ost- und Zentralafrika

Afrikanische Bevölkerung gespalten

Das Engagement Chinas und Russlands werde in den Ländern unterschiedlich aufgenommen, sagt Antje Diekhans, die selbst in Kenias Hauptstadt Nairobi lebt. Dort würden immer mehr Stimmen laut, die vor dem wachsenden Einfluss warnen.

"Kenia, ein Land, das nicht so viele Rohstoffe hat, verschuldet sich über beide Ohren bei China. Da gibt es viele warnende Stimmen, die sagen: Wir verkaufen uns hier mit Haut und Haaren und irgendwann müssen wir das auch wieder zurückzahlen müssen."
Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin für für Ost- und Zentralafrika

Im Kongo dagegen werde die Präsenz Chinas ganz anders wahrgenommen, erzählt Antje Diekhans. Für eine Reportage war sie dort. Für viele Kongolesen sei China ein willkommener Gast, der die Infrastruktur in dem kriegsgeschüttelten Land wiederaufbaue. China schaffe, was die eigene Regierung seit Jahren versäume, haben ihr Kongolesen vor Ort erzählt.

"Im Kongo haben die Leute zu mir gesagt: Die bringen uns Straßen, Krankenhäuser und Schulen. Die Chinesen sind der Motor der Entwicklung. Die machen all das, was unsere Regierung nicht macht."
Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin für für Ost- und Zentralafrika

Auch Deutschland zeigt immer mehr Interesse an Afrika. Innerhalb weniger Monate reisten Gesundheitsminister Jens Spahn, Entwicklungsminister Gerd Müller und Außenminister Heiko Maas auf den Kontinent.