Weil nur noch 20 Prozent durch die Gaspipeline Nordstream 1 läuft, fackelt Russland den Rest ab. 9000 Tonnen CO2 werden so täglich emittiert. "Eine ungeheure Katastrophe für die Erdatmosphäre", sagt DLF-Korrespondentin Sabine Adler.

Das Gas brennt und zwar schon seit dem 26. Juni. Die Gasflamme ist so riesig, dass sie über den Finnischen Meerbusen bis nach Finnland zu sehen ist, berichtet DLF-Korrespondentin für Russland, Sabine Adler. Russland verbrennt Millionen von Kubikmetern Gas, weil nur noch 20 Prozent durch die Pipeline geliefert werden. Normalerweise würden ungefähr 160 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag durch die Pipeline fließen. Derzeit sind es nur 33 Millionen Kubikmeter.

Den Energieträger Gas kann man nicht einfach so abdrehen oder reduzieren. Das Gas, das gefördert wird, fließt. Das lässt sich nicht einfach stoppen, erklärt Sabine Adler. Deshalb verbrennt Russland das überschüssige Gas. Das sei auch so üblich bei der Gasförderung, nur eben nicht diese Ausmaße, die derzeit von Russland verbrannt werden.

9000 Tonnen CO2 täglich freisetzen - aus politischem Kalkül

Mengenmäßig seien es täglich über vier Millionen Kubikmeter Gas, haben finnische Forschende und Experten der Umweltinstitute zum Beispiel in Finnland berechnet. Das entspricht ungefähr 0,5 Prozent des Tagesbedarfs der EU oder zehn Millionen Euro oder 1000 Euro pro Stunde, wie es in einem Bericht des Branchendienstes Rystad Energy heißt, BBC zitiert.

"Das ist eine ungeheure Katastrophe für die Erdatmosphäre."
Sabine Adler, DLF-Korrespondentin für Russland

Dramatischer sind die Dimensionen aber für die Erdatmosphäre: 9000 Tonnen CO2 werden täglich durch das Abfackeln freigesetzt. "Völlig sinnlos," sagt Sabine Adler. Gleichzeitig steigt mit dieser immensen Flamme Ruß auf.

Rußpartikel sorgen für schneller Erwärmung in arktischen Regionen

Die Rußpartikel, die bei der unvollständigen Verbrennung von Brennstoffen wie Erdgas entstehen, schreibt BBC. Sie haben mit dem Experten Matthew Johnson von der Carleton University in Kanada gesprochen: "Besonders besorgniserregend beim Abfackeln in arktischen Breitengraden ist der Transport des emittierten schwarzen Kohlenstoffs nach Norden, wo er sich auf Schnee und Eis ablagert."

Das führe dazu, dass sich die Nordpolarregion noch schneller erwärmt, sagt Sabine Adler.

Auf Kosten der Umwelt oder des globalen Klimaschutzes verfolgt Russland seine politischen Interessen. Zwar fördert Russland das Gas, aber es wird nicht mehr verkauft oder genutzt – und auch nicht umweltfreundlich verbrannt, so die DLF-Korrespondentin. Die Lage werde sich wohl verschärfen, wenn ab dem 31. August ein kompletter Lieferstopp wegen Wartungsarbeiten an einer Turbine verhängt wird. Es bleibe nach wie vor ungewiss, ob es ein kurzfristiger Stopp bleibe oder ein Stopp für immer sei.