Südafrika hat die Wahl. Oder auch nicht. Denn viele der 25 Millionen Wahlberechtigten sehen keine Alternative zur Regierungspartei ANC. Obwohl die Bilanz von Präsident Jacob Zuma durch Korruption und schwache Wirtschaft geprägt ist.

Südafrika wählt - und für viele Beobachter steht das Ergebnis schon vorher fest. Warum? Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) ist für viele Menschen in Südafrika die Partei, die das Land von der Apartheid befreit hat. "Die Menschen haben daher eine sehr starke Bindung zum ANC". erklärt Korrespondent Jan Philipp Schlüter. Umfragen zufolge kann die Regierungspartei mit rund 60 Prozent der Stimmen rechnen. Damit würde auch Jacob Zuma weiter Staatschef bleiben.

Wiederwahl trotz Korruption

Auf den ersten Blick verblüfft diese Prognose: Denn die Regierungsbilanz der vergangenen fünf Jahre ist durch Korruptionsvorwürfe und schwache Wirtschaftsdaten geprägt. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, die Hälfte der jungen Schwarzen hat keinen Job.

Dementsprechend groß ist der Frust im Land: In der Nacht zum Mittwoch ist es in einem Township bei Johannesburg zu Unruhen gekommen. Unter anderem soll ein Wahllokal niedergebrannt worden sein. In dem Township hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Proteste gegeben - wegen mangelnder öffentlicher Dienstleistungen.

Es war nicht alles schlecht

Diese Wut spiegelt sich aber voraussichtlich nicht im Wahlverhalten der Südafrikaner. Für viele der 25 Millionen Wahlberechtigten ist der "ANC wichtiger als Präsident Zuma", sagt Jan Philipp Schlüter. Außerdem gab es in den letzten 20 Jahren viele Verbesserungen: Es wurden Häuser für Bedürftige gebaut. Und die Aidspolitik wurde reformiert, so Jan Philipp Schlüter: "Fast drei Millionen Menschen bekommen lebensverlängernde Medikamente."

"Die jungen Leute interessieren sich nicht mehr für die alten ANC-Geschichten, die wollen Arbeit."
Jan Philipp Schlüter, Korrespondent

Für die jungen Leute im Land - die Born-free-Generation - ist die Rolle des ANC bei der Befreiung von der Apartheid nicht mehr so wichtig. Viele von ihnen werden gar nicht erst zur Wahl gehen: Nur ein Drittel der 1,8 Millionen jungen Wähler hat sich zur Wahl angemeldet. "Die werden alles wählen, auch die Demokratische Allianz", sagt Schlüter. Eine Partei also, die vielen älteren schwarzen Südafrikanern als eine Partei der Reichen und Weißen gilt. Die Demokratische Allianz (DA) wird voraussichtlich rund 22 Prozent der Stimmen erhalten.

Das Fazit: Bei diesen Wahlen wird der ANC gewinnen. Aber in fünf Jahren könnte die Partei zu einer Koalitionsregierung gezwungen sein.