Der Hype um Pokémonkarten erreicht gerade einen seiner größten Höhepunkte. Das ist gut für all diejenigen, die ihre Karten aus Kindertagen über Jahre aufbewahrt haben. Für die echten Sammlerinnen und Sammler kann der Hype aber auch zum Problem werden.

Vielleicht hatte es Julian einfach geahnt, dass seine alten Pokémonkarten aus Kindertagen irgendwann doch noch was wert sein könnten, als er sie bei jedem Umzug ordentlich einpackte und mitnahm – auch wenn er dafür von manchen Freunden belächelt wurde.

Vor kurzem hat er sich dann mit einem Freund über die Karten unterhalten. Julian hatte schon beobachtet, dass die englischsprachigen Karten so langsam durch die Decke gehen, aber dass seine deutschsprachigen auch mehrere tausend Euro wert sein könnten, damit hatte er erstmal nicht gerechnet.

"Ich hab die Karten meinem Freund gezeigt und er meinte: 'Ja, okay, krass. Du weißt schon, dass das ein paar Tausender sind, die hier rumliegen.'"
Julian, hat früher viele Pokémonkarten gesammelt

Um Pokémonkarten ist in den vergangenen Monaten eine regelrechte Spekulationsblase entstanden. Die Preise für die Karten können nicht nur in den Tausender-, sondern auch in den Zehntausender-Bereich gehen. Aber ganz so einfach ist das mit dem Verkaufen dann doch nicht, wie auch der 27-Jährige Julian schnell festgestellt hat.

Bis zu 6000 Euro pro Karte

Teil von Julians Sammlung waren zum Beispiel vier Gluraks der ersten Edition – mit Holo-Effekt, also einem Schimmern, das sich über Teile der Karte zieht. Genau diese Karte wird derzeit besonders gehypt. Zwar sind die englischsprachigen Karten mehr wert, aber auch für die deutschen Versionen kann man pro Stück bis zu 6000 Euro bekommen, wenn der Zustand der Karte dementsprechend einwandfrei ist. Julian hat zum Glück schon damals einige Karten nicht zum Spielen verwendet und direkt abgeheftet.

"Es war dann eben: Okay, jetzt ist da so eine krasse Karte dabei, mit der spielen wir jetzt nicht, sondern die heften wir jetzt ab. Und das war eben das Glück zu der Zeit."
Julian, verkauft seine alten Pokémonkarten

Vor zwei Monaten hat sich Julian dann dazu entschlossen, seine alten Karten zu verkaufen. Dafür hat er sich mehrere Stunden in den Markt eingelesen und wollte seine Karten dann auf Ebay verkaufen.

Preise ändern sich stetig

Schnell hat er aber gemerkt, dass er als Privatperson ohne Bewertungen auf Ebay nicht vertrauenswürdig genug wirkt, um ein paar Pokémonkarten im vierstelligen Bereich zu verkaufen. Dazu kommt: Die Preise ändern sich permanent und um den besten Preis zu erzielen, braucht Julian auch einen Nachweis, dass seine Karten wirklich in einem guten Zustand sind.

"Man will natürlich das meiste rausholen, wenn man die Karten verkauft."
Julian, verkauft seine alten Pokémonkarten

Diese Nachweise erstellen professionelle Firmen in den USA, die die Karten dann gegen eine bestimmte Gebühr einstufen und versiegeln. Doch die wenigen Firmen werden derzeit so sehr mit Anfragen überflutet, dass eine Einstufung und das Hin- und Zurückschicken um die neun Monate dauern kann.

Bis dahin könnten die Preise sich verdoppelt aber genauso gut auch halbiert haben, sagt Julian. Julian setzt deshalb jetzt erstmal darauf, dass die Preise stabil bleiben. Er möchte sich vom Hype nicht unter Druck setzen lassen und hofft, dass seine Karten in ein paar Monaten vielleicht noch mehr Wert sein werden.

Der Hype macht es den echten Sammlern schwer

Leidenschaftliche Sammlerinnen und Sammler sehen den Hype um die Karten eher kritisch. Denn je mehr Menschen sich dafür interessieren, desto teurer werden die Produkte und desto schwerer wird es, an sie heranzukommen, sagt Schatti, die seit 2016 Pokémonkarten sammelt. Die 24-Jährige möchte lieber mit ihrem Szenenamen vorgestellt werden.

"Die negative Seite davon ist natürlich, je mehr Leute darauf aufmerksam werden, desto teurer werden die Produkte und umso schwerer wird es an etwas ranzukommen."
Schatti, sammelt seit 2016 Pokémonkarten

Für Schatti ist das Sammeln der Karten ein Hobby, das Spaß machen soll. Gegen neue Sammlerinnen und Sammler hat sie deshalb nichts, dafür aber gegen Trittbrettfahrer, die nur auf den Trend aufspringen, weil sie damit mehr Follower bekommen wollen oder das große Geld wittern. Denn die würden sich meistens gar nicht mit Pokémon und der dazugehörigen Community auseinandersetzen.

Kein Ende des Hypes in Aussicht

Am meisten ist Schatti von Zwischenhändlern genervt, die sich die Karten günstig besorgen und sie dann teuer an unwissende Neulinge verkaufen. Das alles schade der Community sehr, sagt sie.

Dass der Hype bald ein Ende haben könnte, sieht aber auch Schatti erstmal nicht. Ende das Jahres kommt eine Jubiläumsedition zum 25. Geburtstag der Karten heraus. In ihrem Stammladen hat sie schon jetzt Schwierigkeiten, überhaupt auf die Liste der Vorbestellungen gesetzt zu werden.