"Ich hab Polizei." So heißt ein Clip von Jan Böhmermann. Jetzt hat er wirklich Polizei: Vor seinem Haus steht ein Streifenwagen zu seinem Schutz. Aber wer bekommt eigentlich wann Polizeischutz?

Jan Böhmermann steht unter Polizeischutz. Er habe nicht darum gebeten, sagt der Satiriker. Aber die Polizei will sicher gehen, dass kein Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan durchdreht. Der Politiker fühlt sich durch das sogenannte Schmähgedicht von Böhmermann beleidigt und hat mittlerweile auch persönlich einen Strafantrag gestellt.

Drohungen gegen Jan Böhmermann

Wer Polizeischutz bekommt, hängt von der individuellen Situation ab. In der Regel erstellt das jeweilige Landeskriminalamt eine Gefährdungsanalyse, sagt Ulf Küch. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter sowie Chef der Braunschweiger Kriminalpolizei. Dabei wird überprüft, welche Drohungen ausgesprochen wurden. Dann erfolgt ein Gefahrenbild und die Entscheidung, ob Schutz nötig ist. Das kann dann ein Streifenwagen in der Nähe oder vor dem Wohnhaus der betroffenen Person sein bis hin zu direktem persönlichen Polizeischutz.

"Die Gefahr muss groß sein. Die Polizei neigt nicht dazu, sehr vorschnell Personenschutz bereitzustellen."

Damit man Polizeischutz bekommt, muss die Gefahr des Lebens diagnostiziert werden, sagt Küch. Die Gefahr muss groß sein für die Person. Niemand bekomme vorschnell Polizeischutz. Auch weil diese Maßnahme eine erhebliche personelle Belastung für die Polizei sei, sagt Küch.

Der Schutz ist für Betroffene wie Böhmermann natürlich ein Einschnitt ins Leben. Vor allem für Menschen, die erstmals unter Schutz gestellt werden. Man hat permanent jemanden um sich oder zumindest in der Nähe. Aber natürlich ist ebenso die Drohung selbst schlimm und sorgt für Angst.

"Der Polizeischutz wird für Jan Böhmermann ein hartes Brot sein."
Ulf Küch ist stellvertretender Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter

Grundsätzlich kann man Polizeischutz ablehnen. Aber wenn die Situation so brisant ist, dass es um das eigene Leben geht, dann solle man auf jeden Fall den Schutz annehmen, rät Küch. Auch wenn das Ganze unangenehm ist. Die Polizei schützt jetzt nicht nur Böhmermann, sondern geht auch den Drohungen nach und ermittelt.