Was darf Satire, ist Jan Böhmermann mit seinem Schmähgedicht zu weit gegangen, gehört er vor Gericht? Die Auseinandersetzung um Böhmermann wird auch im Netz geführt. Und da hat sich viel Unterstützung für den Satiriker formiert.

Es beginnt natürlich wie bei nahezu jedem Netzphänomen mit einer Petition. Freiheit für Böhmermann auf Change.org haben bereits mehr als 100.000 Unterstützer unterzeichnet: "Deswegen fordere ich Freiheit für Böhmermann und eine deutliche Ansage an Erdogan darüber, dass hier Pressefreiheit herrscht, auch wenn man nicht immer mit den Inhalten der Medien übereinstimmt!", schreibt der Ersteller der Petition.

Was mit einer Petition anfängt, geht mit dem Hashtag #FreeBoehmi weiter, auch über die deutschen Grenzen hinaus. Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis twitterte, erst habe Europa seine Seele durch den Türkei-Deal verloren und jetzt seinen Humor. Seine Forderung: "Hände weg von Jan Böhmermann!"

Pressefreiheit vor der ZDF-Pforte

"Der Böhmermann-Fall entwickelt sich zunehmend zu einem Medienkrieg", schreibt DTJ-Online. Kürzlich hat ein türkischer Reporter vor der ZDF-Pforte gedreht und beschwert sich dabei über mangelnde Pressefreiheit. "Man hat nach diesem Beitrag den Eindruck, der Reporter würde aus einer Bananenrepublik berichten", bewertet DRadio-Wissen-Reporter Andreas Noll das Video. "So dramatisch schildert er die Lage, die allerdings durch völlig undramatische Bilder von der Pforte des ZDF geradezu konterkariert werden."

Politisch ist der Streit schon längst geworden, doch auch wenn Kanzlerin Angela Merkel ihre Kritik an Böhmermanns Schmähgedicht öffentlich gemacht hat, geht kaum ein Beobachter davon aus, dass der Neo-Magazin-Royal-Moderator eine juristisch harte Strafe fürchten muss. Lawblogger Udo Vetter sagt dazu: "Nach meiner Meinung hat Merkel viele gute Gründe, den Fall an dieser Stelle zu beenden."

Erdogans Strafantrag gegen Böhmermann

Der türkische Präsident hat inzwischen persönlich Strafantrag gegen Böhmermann gestellt und verlangt eine Unterlassungserklärung des Humoristen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Mainz.

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