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Wenn es um saubere Energie geht, hoffen viele auf Wasserstoff. Doch das kann der Energieträger noch lange nicht leisten, sagt Energieforscher Falko Ueckerdt.

Das Bundesverfassungsgericht hat bestätigt, dass Klimaschutz ein Menschenrecht ist. Also können wir jede saubere Energiequelle gut gebrauchen. Solarenergie und Windkraft zum Beispiel, genauso wie Wasserstoff. Aber: Wasserstoff hat seine Grenzen.

Ohne Wasserstoff geht es nicht, stellt der Energie- und Klimaforscher Falko Ueckerdt vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung klar. Das Problem sei aber, dass Wasserstoff selbst kein Energielieferant sei, sondern ein Energieträger. Dazu hat das Institut gerade eine Studie veröffentlicht.

"Wasserstoff kommt in der Diskussion immer so als Universallösung daher. Da haben wir unsere Bedenken."
Falko Ueckerdt, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung

"Wasserstoff ist deswegen nur wirklich grün, wenn wir ihn aus Wind- und Solarstrom herstellen", erklärt Falko Ueckerdt. Wer von Wasserstoff spricht, müsse also auch davon sprechen, auch die erneuerbaren Energien auszubauen. Denn eine Universallösung sei Wasserstoff nicht.

Wasserstoff ist noch nicht so weit

Wir müssen uns sehr dringend um Klimaschutz kümmern, stellt der Energieforscher klar. Im starken Kontrast dazu stünden wir mit dem Wasserstoff noch ganz am Anfang: "Es gibt praktisch noch gar keinen grünen Wasserstoff im großen Maße." Das werde sich in Zukunft ändern, es sei politische Förderung nötig, aber Wasserstoff werde wahrscheinlich nicht so schnell wachsen, um zum Beispiel Öl oder Erdgas auf breiter Front zu ersetzen.

"Wasserstoff wird höchstwahrscheinlich nicht schnell genug wachsen, um das neue Öl oder das neue Erdgas zu werden."
Falko Ueckerdt, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung

Wasserstoff ist noch nicht so weit. "Es geht jetzt darum, robuste Strategien zu entwerfen, die sehr sicher unsere Klimaziele erreichen", sagt Falko Ueckerdt. Es sei zu riskant, darauf zu wetten in 10, 20 Jahre Wasserstoff in Überfluss zur Verfügung haben.

Wasserstoff wird in der Debatte teilweise überbewertet, meint Falko Ueckerdt. Er sollte aber dort eingesetzt werden, wo es keine Alternative gibt:

  • Bei der Stahlerzeugung, die heute mit Hochöfen und Kohle läuft
  • Beim Flugverkehr, der sich nicht ohne weiteres auf elektrische Energie umstellen lässt

Wasserstoff wäre hingegen dort unnötig, wo es heute schon günstige, effiziente Alternativen gebe:

  • Der Verbrauch von Elektroautos ist bereits günstiger als bei Wasserstoffautos
  • Beim Heizen ist die Wärmepumpe viel effektiver

Der Standpunkt vom Forschungsteam um Falko Ueckerdt ist also: Wir brauchen unbedingt Wasserstoff und müssen ihn ausbauen und weiter skalieren. Die Verfügbarkeit sollte man nicht überschätzen, die Kosten nicht unterschätzen und ihn nur dort einsetzen, wo es keine besseren Alternativen gibt.