Neun Hessen mit Migrationshintergrund sind ermordet worden. Die Journalistin Sheila Mysorekar begründet, warum die Opfer Namen brauchen und eine Geschichte.

Nach dem Anschlag von Hanau, am 19.02.2020, trendet nun #saytheirnames, über eine respektvolle Berichterstattung wird diskutiert. Die Opfer sollen im Vordergrund stehen, nicht der Täter. Neun Menschen mit Migrationshintergrund sind wahllos ermordet worden, weil sie aus Einwandererfamilien kommen.

Dabei stellt sich auch die Frage, ob die Opfer mit Vor- und Nachname genannt werden sollen. Sheila Mysorekar hat sich damit beschäftigt. Sie ist indodeutsche Rheinländerin und Vorsitzende des Vereins Neue deutsche Medienmacher.

"Diese jungen Menschen, die da ermordet wurden, waren Hessen aus migrantischen Familien – aber Hessen."
Sheila Mysorekar, Neue Deutsche Medienmacher e.V.

Sie findet es richtig, die Opfer namentlich zu nennen – also in diesem Fall eher nur die Vornamen. Rechtsradikale sollten keine Gelegenheit haben, die Familien der Opfer zu belästigen.

Opfer aus einer gesichtslosen Gruppe

Ihre Begründung für die Namensnennung: Menschen aus Einwandererfamilien wären in Deutschland beinahe gesichtslos. Nur selten würden individuelle Geschichten, individuelle Schicksale, Menschen in der Öffentlichkeit bekannt.

"Es sollten Leute aus Einwandererfamilien in Deutschland getroffen werden. Das ist eine Gruppe, die ohnehin mehr oder weniger gesichtslos ist in Deutschland. "
Sheila Mysorekar, Neue Deutsche Medienmacher e.V.

Umso wichtiger sei es, dass sie jetzt nicht wieder als eine gesichtslose Gruppe dastehen, sondern dass sie als Menschen, als Biografien, als Mitmenschen sichtbar sind.

Sprachliche Distanz zum Täter

Die Berichterstattung fand Sheila Mysorekar, von einigen Ausreißern abgesehen, angemessen. So sei der Ausdruck Fremdenfeindlichkeit im Zusammenhang mit dem Anschlag in Hanau eher selten verwendet worden. Wer stattdessen den Begriff Rassismus verwendet, distanziert sich von der Sichtweise des Täters, begründet sie Sheila Mysorekar.

"Das Wort Fremdenfeindlichkeit übernimmt die Sichtweise des Täters: Menschen, die nicht weiß sind, die keine christlichen Namen haben, sind keine Deutschen."
Sheila Mysorekar, Neue Deutsche Medienmacher e.V.