Schach gibt es seit Jahrhunderten, und die standardmäßige Aufstellung der Figuren ist überall gleich. Ein Mathematiker hält die aber für unfair. Er hat verschiedene Varianten analysiert – eine davon macht das Spiel gerechter, theoretisch jedenfalls.

Wer schon mal Schach gespielt hat, der weiß: Die Figuren werden vor jedem Spiel immer gleich aufgebaut: In der vorderen Reihe stehen die Bauern, dahinter Turm, Springer, Läufer, Dame, König und wieder ein Läufer, Springer und Turm.

Ein Mathematiker kommt jetzt in einer Studie (Preprint) zu dem Ergebnis, dass Schach, so wie es die meisten spielen, unfair ist. Denn Weiß hat immer einen Vorteil.

"Beim klassischen Schach gibt es den sogenannten Anzugsvorteil: Also die statistisch untermauerte Tatsache, dass der Spieler oder die Spielerin mit den weißen Figuren eben einen kleinen Vorteil hat."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Weiß hat beim Schach immer einen kleinen Vorteil – weil Weiß zuerst zieht. "Deswegen wird ja bei Turnieren oder Wettkämpfen immer die Farbe gewechselt, da spielt man immer abwechselnd mit Weiß und Schwarz", sagt unser Tech-Autor Michael Gessat.

Der Mathematiker der Studie sagt aber nun, insgesamt sei schon allein die Standardaufstellung beim Schachspiel nicht gerecht: Er hat Partien in dem freien Schachprogramm "Stockfish" analysiert. Dabei kam raus, dass die Aufstellung besser für Spielende mit Weiß ist und Schwarz Nachteile bringt.

Alternative Figuren-Aufstellungen beim Schach

Tatsächlich gibt es seit Jahrzehnten andere Ideen, die Figuren aufzustellen, etwa nach dem "Fischer-Random-Chess" oder "Chess960". Entwickelt wurde das von dem ehemaligen Schachweltmeister Bobby Fischer. Dabei werden die Figuren in der hinteren Reihe zu Beginn der Partie quasi zufällig aufgestellt – symmetrisch für Weiß und Schwarz. Und diese andere Aufstellung macht auch für das Spiel einen Unterschied:

Der Spielverlauf ändert sich

Bei der klassischen Aufstellung und dem klassischen Schach spielt die sogenannte Eröffnungstheorie eine zentrale Rolle. Sie kann im Extremfall die ersten 25-30 Züge umfassen. Als ambitionierter Spieler muss man sie auswendig kennen, um danach in die eigentliche Auseinandersetzung zu gehen. Beim Chess960 dagegen stehen beide Spieler nach der Auslosung der Startposition quasi vor dem Nichts.

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Nach der Analyse aller möglichen Aufstellungen aus dem Chess960, kommt der Autor zu dem Schluss, dass es eine Variante gibt, die sowohl gerechter als auch zusätzlich komplexer ist als die normale Schach-Ausgangsstellung. "Ulkigerweise ist die der normalen Stellung sehr ähnlich, nur die Position von Dame und Turm ist vertauscht", so Michael Gessat. Die Dame steht dann also auf dem Feld unten links.

Der bessere Spieler gewinnt

Sollte man nun also seine Schachfiguren lieber anders aufstellen? Andre Schulz vom Schach-Portal Chessbase meint: Diese mathematischen Erkenntnisse der Studie sind sehr theoretisch. Und letztlich hätten sie mit praktischen Partieverläufen so gut wie nichts zu tun. Auch die gefundene fairste Aufstellung wird seiner Ansicht nach nichts daran ändern, dass der oder die bessere Spieler*in in der Regel gewinnt.

Trotzdem kann es spannend sein, die Figuren zu Beginn mal anders zu platzieren. Dieser schon von Bobby Fischer beabsichtigte Aspekt, dass der Einfluss der mühsam zu erlernenden Eröffnungs-Theorie rausfällt, den finden auch Spitzenspieler sehr attraktiv. Und auch für Hobbyspieler lohnt es sich, das einmal auszuprobieren.

Shownotes
Mathematik
Wie unfair ist Schach für Schwarz?
vom 21. Januar 2026
Moderator: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova