In London buddeln die Menschen im Schlamm. Beim Mudlarking treffen sich Archäologinnen mit Laien am Ufer der Themse und suchen nach alten Schätzen. Finden sie etwas von besonderem Wert, kommt es ins Museum.

Vanessa steht mitten in London am Ufer der Themse und hält eine Terrakottascherbe mit verblassten weißen Streifen hoch. Die Archäologin ist eine von Londons Mudlarkern: Ist an der Themse, die in der Nähe vom Meer liegt, gerade Ebbe, geht sie mit Laien für die Bildungsorganisation Thames Explorer Trust dort auf Schatzsuche.

"Das hier, was wie ein recht schlichtes Stück Terrakotta aussieht, kommt tatsächlich von einem Zuckerhut aus dem 17. Jahrhundert."
Vanessa, Archäologin und Mudlarkerin aus London

Für viele in London ist Mudlarking mittlerweile ein Hobby. Im 18. und 19. Jahrhundert haben sich vor allem arme Kinder Geld mit dem Mudlarking verdient, heute kommen Geschichtsinteressierte wie Vanessa an die Themse, um etwas Wertvolles zu finden.

Historisch wertvolle Suche

Dafür hat die Archäologin eine Lizenz von der Behörde Port of London Authority, die jeder für rund 100 Euro pro Jahr dort beantragen kann. Die Lizenz verpflichtet die Mudlarker dazu, Funde, die von archäologischem Interesse sein könnten, zu melden. Sind ihre Funde historisch gesehen wertvoll, werden sie in das nationale Portable Antiquities-Register eingetragen. Besonders bedeutende Stücke kommen sogar ins Museum.

Mudlarking als Hobby

Andere Funde lassen die Mudlarker einfach an der Themse zurück – absichtlich. So können die anderen Hobby-Archäologen bei ihrer Suche auch darauf stoßen und sich daran erfreuen. Als Hobby scheint Mudlarking bei den Londonerinnen und Londonern beliebt zu sein: 2020 hat die Port of London Authority fast 1.400 Lizenzen ausgestellt. Das sind 300 mehr als im Jahr davor.

Am Ufer der Themse suchen Menschen beim Mudlarking nach alten Schätzen.
© picture alliance | dpa | Silvia Kusidlo
Am Ufer der Themse suchen Menschen beim Mudlarking nach alten Schätzen.

Menschheitsgeschichte im Schlamm entdecken

Die weiß gestreifte Terrakottascherbe kommt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert, schätzt Vanessa. Die verblassten Streifen würden darauf hindeuten, dass sie einmal Teil eines Zuckerkegels war, mit dem brauner Zucker aus der Karibik raffiniert wurde.

Scherben wie diese liegen etliche am Themseufer herum. Auf einem einfachen Scherbenhaufen stehen die Mudlarker aber nicht – der Haufen erzählt vielmehr 2.000 Jahre Menschheitsgeschichte.