Eugene Boateng ist Tänzer, Choreograph und Schauspieler. Im Film "Borga", der jetzt in die Kinos kommt, spielt er einen jungen Mann aus Ghana, der sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen will. Schwarze Menschen nicht in Klischee-Rollen, sondern als Personen mit einer echten Geschichte, mit Wünschen, Zielen, Fehlern und Fähigkeiten. Diese verkörpert Eugene Boateng so gut, dass er mit dem Deutschen Schauspielpreis und dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet wurde.

Bei "Boateng" denken viele von uns wahrscheinlich im ersten Moment an die berühmten Fußballbrüder Jerome und Kevin Prince. Der Name Boateng sei in Ghana in der Tat verbreitet, erklärt Eugene Boateng. Mit der Häufigkeit von "Müller" oder "Meier" in Deutschland sei das aber nicht vergleichbar.

Eugene Boateng wurde 1985 als Sohn ghanaischer Eltern in Düsseldorf geboren. Dort ist er auch aufgewachsen. Mit 19 begann er, auf dem Speicher der Eltern das Tanzen zu trainieren. 2006 hat er dann bei der Show "Viva Dancestar" mit Detlef D! Soost gewonnen. Anschließend zog er nach Berlin und hatte Auftritte als Tänzer in Videos von Kool Savas, MIA, Tocotronic, Jan Delay oder den No Angels. Er besuchte die Schauspielschule Ernst Busch und die Universität der Künste. Nach ersten kleinen Rollen folgte 2015 sein Kinodebüt: "Becks letzter Sommer" zusammen mit Christian Ulmen.

Hauptrolle in "Borga"

Ab dem 28. Oktober ist Eugene Boateng jetzt im deutsch-ghanaischen Spielfilm "Borga" von Regisseur York-Fabian Raabe im Kino zu sehen. Eugene Boateng hat "Borga" auch mitproduziert. Der Film wird von der Kritik hochgelobt – vor allem deshalb, weil er durchgehend aus der Perspektive eines Ghanaers gedreht ist.

Für seine Darstellung der Hauptfigur Kojo wurde Eugene Boateng mit dem Deutschen Schauspielpreis 2021 in der Kategorie "Bester Schauspieler in einer Hauptrolle" ausgezeichnet. Beim Filmfestival Max Ophüls Preis gewann der Film den Hauptpreis für den Besten Spielfilm, den Publikumspreis und den Preis der ökumenischen Jury. Eugene Boateng bekam zudem den "Preis für den gesellschaftlich relevanten Film".

"It is easier to be an American than an African."
Hauptfigur Kojo im Film "Borga"

Kojo wird in Ghana auf einer Elektroschrott-Müllhalde groß. Gegen seinen älteren Bruder führt er einen Konkurrenzkampf, weil der die gesamte Aufmerksamkeit seines Vaters bekommt und das Geschäft der Familie einmal übernehmen soll. Kojo geht zur Schule und möchte auf diese Weise dazu beitragen, dass seine Familie "aus dem Loch rauskommt, wo sie lebt", erzählt Eugene Boateng. Da das nicht funktioniert, beschließt er auszuwandern – und schafft es über viele Umwege nach Mannheim.

"Raus aus dem Loch"

Er hatte gehört, dass sein Onkel ein "Borga" ist, jemand, der es im Ausland zu etwas gebracht hat. In Deutschland angekommen, muss Kojo dann aber feststellen, dass diese Existenz nur vorgetäuscht war. Er lebt zunächst auf der Straße. Doch seine Heldenreise beginnt. "Er fällt auf die Schnauze, lernt daraus und steht wieder auf", so Eugene Boateng.

"Ich habe immer den Wunsch gehabt, die Geschichte meines Vaters zu erzählen."
Eugene Boateng

Die Geschichte sei sehr nah an seinem eigenen Vater dran, erzählt der Schauspieler. Als er dann das Drehbuch von Regisseur York-Fabian Raabe und Toks Körner in die Hände bekommen habe, dachte er: Das ist die Chance: "Ich glaube, das ist nicht nur die Geschichte meines Vaters, sondern vieler Väter und Onkels und auch Mütter und Tanten, die ihr Zuhause verlassen, um etwas aufzubauen für die Familie."

Wunsch nach Authentizität

Der Film wurde zu 70, wenn nicht sogar 80 Prozent auf ghanaisch gedreht, erzählt Eugene Boateng. Große Teile von "Borga" sind also untertitelt, das sei für ihn "sehr, sehr wichtig" gewesen, um das Ganze so authentisch wie möglich zu machen. Für ihn sei das sofort klar gewesen, dass das so sein muss. Er schaue sich die meisten Filme in Originalsprache an. Dabei werde einfach viel mehr transportiert.

Im Gespräch mit Sebastian Sonntag geht es nicht nur um den Film "Borga". Eugene Boateng berichtet zum Beispiel auch über die Düsseldorfer Hiphop-Tanzszene, über Rollenangebote und Rassismus. Klickt einfach oben auf das Audio.