Kurz nach den ersten Schüssen im Olympia-Einkaufszentrum twitterten Augenzeugen und luden Videos vom Tatort hoch. Klassische Nachrichtenmedien geraten dadurch unter Zugzwang, denn von ihnen wird erwartet, dass sie genauso schnell reagieren.

"Das ist ein Dilemma", sagt Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung. Die Bevölkerung erwartet sofort Informationen über das aktuelle Geschehen und soll auch bei einer Bedrohungslage direkt gewarnt werden. Dabei bleibe den Journalisten und Reportern kaum Zeit, Informationen zu prüfen und einzuordnen.

In diesem hektischen Ablauf komme es dann auch zu Falschmeldungen wie während der Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum. Halten Medien dagegen Meldungen zurück, um zuerst den Sachverhalt zu prüfen, wird ihnen der Vorwurf gemacht, sie würden Informationen zurückhalten.

"Medienverantwortung richtet sich nicht nur an die Medienmachenden, sondern auch an die Mediennutzer."
Sabine Schiffer, Medienpädagogin

Die Medienpädagogin schlägt vor, mehr über Formate mit Unterbrechungen nachzudenken, um so die Bevölkerung nur nach neuen Erkenntnissen zu informieren.

Sie appelliert aber auch an die Medienverantwortung jedes Einzelnen. Dadurch, dass Nutzer sehr schnell Facebook-Posts liken oder Tweets retweeten, würden sich Informationen, die auch falsch sein könnten, ungeprüft rasant verbreiten. Spekulationen seien so Tür und Tor geöffnet, die wiederum zu Panik führen könnten. So geschehen am Freitagabend in der Münchner Innenstadt, als Passanten wähnten, ein weiterer Attentäter würde um sich schießen. Eine derartige Nervosität in den sozialen Medien könnte wiederum zu Gefahren führen, die die Polizei eigentlich ausschließen wolle.

Ergebnisoffene Analyse der Attentate

Sabine Schiffer betont, dass es jetzt auch darum gehen müssen, die Ursachen, die zu dem Amoklauf geführt haben, herauszufinden. Denn ein Amoklauf sei von seiner Bedeutung her ein unberechneter, plötzlicher Angriff. Dies treffe auf den Amoklauf des 18-jährigen Deutsch-Iraner im Olympia-Einkaufszentrum nicht zu.

Bemerkenswert findet sie die Parallelen der Abläufe der Attentate in Nizza und Würzburg zu den Computerspielen GTA V. Die Spielemuster würden überraschend gut auf die Handlungsabläufe passen. Ob sich eine solche Parallele auch zu dem Attentat im Olympia-Einkaufszentrum finden lässt, sei noch verfrüht. Auffällig wäre aber das Interesse des Attentäters für den Amoklauf von Anders Breivik auf der norwegischen Insel Utoya vor genau fünf Jahren.

Einschlägige Szenen aus GTA V: