Autonom fahrende Supertanker im Meer? Komplett ohne Kapitän, ohne Crew, ohne Mechaniker? Gar nicht mal so ein großes Ding.

Autonom fahrende Supertanker im Meer? Komplett ohne Kapitän, ohne Crew, sogar ohne Mechaniker? Gar nicht mal so ein großes Ding, sagt Max Johns, Professor für Maritimes Management und Geschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder: "In Teilen kann man schon heute auf die Crew verzichten."

Klar, der Schiffsverkehr ist nicht ganz so komplex wie der Stadtverkehr. Es gibt einfach nicht so viele Fahrzeuge auf engem Raum. Dafür wird es schwieriger, wenn an Bord etwas passiert. Also wenn etwas ausfällt oder wenn es eine Besonderheit gibt.

"Schiffe sind technologisch sehr weit ausgerüstet, und die meisten Systeme dafür sind eigentlich schon bereit oder werden schon eingesetzt."
Max Johns, Professor für Maritimes Management

Im Vergleich zum Straßen- oder Luftverkehr kommt es im Schiffsverkehr selten zu Unfällen, sagt Max Johns. Die Zahl der Unfälle nähme sogar stetig ab – und das obwohl die Anzahl der Schiffe in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen hat.

Hersteller und Werften treiben die Entwicklung an

Schwieriger wird das autonome Fahren allerdings in der Nähe von Häfen oder Küsten. Oder bei sehr krassen Wetterbedingungen. Die ersten komplett unbemannten Superfrachter will Japan 2025 auf die Weltmeere schicken.

Hintergrund sind aber nicht unbedingt Personalkosten, die gespart werden können. Die Entwicklung hin zu Schiffen ohne Personal treiben die Werften und Schiffsbauer voran, die diese Schiffe teurer verkaufen können. Denn auf autonomen Schiffen müssen alle Systeme doppelt vorhanden sein, etwa der Motor. Sollte der eine ausfallen, muss der zweite einspringen, denn es gibt keinen Mechaniker, der reparieren könnte.

Deutschland arbeitet fleißig mit

Auch Deutschland arbeitet fleißig an dieser Entwicklung mit, hat aber noch keine konkreten Ziele genannt, wann die ersten autonomen Frachter auf die Weltmeere losgelassen werden sollen. 

Im Bereich der unterstützenden Technologien ist Deutschland derzeit Weltmarktführer, sagt Max Johns. Es gehe aber vornehmlich darum, die Crew bei ihrer Arbeit zu unterstützen, nicht sie dauerhaft zu ersetzen. Doch auch in der autonomen Schifffahrt wird es weiterhin genug zu tun geben, sagt Max John.

"Ganz viele der Bestandteile an Bord, die der Schifffahrt elektronisch enorm helfen, kommen aus Deutschland."
Max Johns, Professor für Maritimes Management

Die Entwicklung schafft vor allem Arbeitsplätze an Land, bei den Herstellern und Werften zum Beispiel. Und alleine denken könnten die Tanker ja auch nicht. Die Crew, die diese Frachter bedient, sitzt aber dann eher vor einem Bildschirm in einem Büro statt auf der Kommandobrücke eines Schiffs.

"Das könnte diese Arbeitsplätze vielleicht sogar attraktiver machen, weil man dann abends wieder zu Hause ist."
Max Johns, Professor für Maritimes Management