Nehmt das, Bitches! Ständig hauen wir den derbsten Scheiß raus. Weil wir Prolls sind? Weil wir einen besonders großen Wortschatz haben! Sprachwissenschaftler haben das jetzt bestätigt.

Die Schmähkritik von Jan Böhmermann hat uns die ganze Woche beschäftigt. Er hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan viele Beschimpfungen in wenigen Minuten um die Ohren gehauen. Die einen fanden das gut, andere blöd - wir wollen uns an dieser Stelle kein Urteil erlauben. Was wir auf jeden Fall sagen können: Wer viele Schimpfwörter benutzt, ist auf sprachlichem Gebiet wahrscheinlich ziemlich fit im Kopf. Und kein Proll, wie man vielleicht denken könnte.

"Im Deutschen bemühen wir vor allem das Fäkale. Also 'Pisser' 'Mist' oder 'Scheiße'. Dieser Bereich ist in anderen Sprachen längst nicht so präsent wie im Deutschen."
André Meinunger vom Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft in Berlin

Das haben wir uns nicht ausgedacht, sondern das sagen Forscher vom Marist College und vom Massachusetts College of Liberal Arts. Sie habenherausgefunden: Wer viele Schimpfwörter benutzt, ist eben nicht doof, weil er sich nicht richtig ausdrücken kann. Sondern: Er hat wahrscheinlich einen großen Wortschatz und ein Talent für Sprache.

Getestet haben die Wissenschaftler das an 200 Studenten. Die mussten eine Minute lang so viele Schimpfwörter aufzählen, wie sie konnten. Alles war erlaubt, es hab keine Tabus. Und dann wurde auch noch die Sprachfähigkeit getestet. Die Studenten mussten zum Beispiel möglichst schnell Wörter mit dem Anfangsbuchstaben "F" aufzählen. Dazu gab es auch noch einen schriftlichen Test zur Sprache. Das Ergebnis: Wer flüssig geflucht hat, der war auch sonst wortgewandt.

Religion, Sexualität oder Fäkalien

Bei Böhmermanns Erdogan-Nummer fielen neben einigen Klassikern auch Beschimpfungen wie "Schrumpelklöten" - ein ungewöhnliches Schimpfwort - und eine besondere kreative Leistung, lobt der Sprachwissenschaftler André Meinunger vom Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft in Berlin. Es sei kulturell unterschiedlich, aus welchem Bereich wir unsere Schimpfwörter schöpfen - je nachdem, was in einer Kultur am meisten tabuisiert ist. Sei es Religion, Sexualität oder Fäkalien. So ist "Verfickt" zum Beispiel bei und bei weitem nicht so verbreitet wie "Fuck" im Englischen. Also: die Schrumpelklöten waren schon ungewöhnlich.

Grundsätzlich gilt: Es fühlt sich so gut an, loszuschimpfen, weil das wie ein Ventil wirkt. Ein kleines Problem gibt es allerdings mit der Studie zu den Schimpfwörtern und der sprachlichen Intelligenz. Darauf hat der amerikanische Psychologe Piercarlo Valdesolo gerade in einem einem Artikel hingewiesen: Bloß, weil jemand viele Schimpfwörter kennt, muss er sie ja nicht dauernd benutzen. Soll heißen: Wer weiß, wie man mit Worten umgeht, sollte auch das Taktgefühl und die soziale Intelligenz haben, zu wissen, wann ein Schimpfwort angebracht ist und wann nicht.