Wahnvorstellungen, Panikanfälle, unkontrolliertes Verhalten: Mit Anfang 20 erfährt Cordt Winkler, dass er an paranoider Schizophrenie leidet. Wie er mit der psychischen Erkrankung lebt und klarkommt, darüber hat er ein Buch geschrieben.

Angefangen hat es noch recht harmlos: Cordt Winkler ist neu an der Uni - und irgendwann denkt er: "Irgendetwas ist nicht in Ordnung mit mir." Er ist häufig traurig, zieht sich zurück, kann sich nicht mehr richtig aufs Studium konzentrieren. "Ich habe kaum noch die Wohnung verlassen", erzählt er. "Das war schon ganz anders, als ich mich sonst wahrgenommen hatte."

Sensibilisiert ist Cordt Winkler für die Schizophrenie schon von klein auf, denn auch sein Vater hatte die Krankheit. "Dementsprechend war das schon immer ein Begriff", sagt er.

"Die Krankheit ist sehr kompliziert und schwierig auf einen Nenner zu bringen."
Cordt Winkler

Schizophrenie hat viele Ausprägungen

Der Vorbote seiner Krankheit - die sogenannte Prodromalphase - hat sich bei ihm sehr langsam angeschlichen. Die Symptome waren noch schwach ausgeprägt. Zunächst denkt Cordt Winkler, er hätte eine Depression. Doch er macht sich auch Sorgen. Denn merkwürdige Zustände, die er nicht einordnen kann, kommen immer wieder. Mal zittert er am ganzen Leib. Dann verstrickt er sich in wirre Gedanken. In seinem Buch "Ich ist manchmal ein anderer" beschreibt er, wie es ihm ging: "Ich war gleichzeitig ziemlich durcheinander und hilflos", schreibt er.

"Bei mir waren es vor allem Wahnzustände - dass ich mich in ganz komische Situationen in meinem Kopf begeben habe und mir Dinge vorgestellt habe, die höchstwahrscheinlich nicht der Realität entsprechen."
Cordt Winkler

Cordt Winkler sagt, dass die Krankheit sehr kompliziert und schwierig auf einen Nenner zu bringen ist: "Es sind sehr viele verschiedene Symptome, und es ist bei jeder Person anders." Für sich und seine Symptome findet er das Worte "Psychose" passender. Manche Psychosen, sagt er, hatten auch lustige Momente, die dann aber ganz schnell in Angstzustände gekippt sind.

"Dann kam die Krankheit mit voller Wucht über mich herein. In dem Moment war es so, dass ich es gar nicht mehr kontrollieren konnte."
Cordt Winkler

Irgendwann wird Cordt Winkler klar, dass es keine Depression ist, die ihm zu schaffen macht, sondern eine Schizophrenie. Nach der Diagnose war er fast erleichtert, sagt er. "Weil ich nun wusste, womit ich es zu tun habe." Er hatte die Hoffnung, dass alles wieder in Ordnung kommen würde und die Psychose eine einmalige Sache gewesen sei. Doch das ist bei Cordt Winkler nicht der Fall.

Medikamente können Stabilität bringen

Vier Mal braucht er akut Hilfe, mehrmals ist er in der Klinik. Und er nimmt bis heute regelmäßig Medikamente, weil er für sich entschieden hat, dass es ihm damit besser geht. Auch, wenn er die Nebenwirkungen spürt, sich manchmal antriebslos fühlt oder an Gewicht zunimmt.

Im Gespräch erzählt uns Cordt Winkler noch mehr über seine Erfahrungen mit der Schizophrenie: Wie er einmal mit Rindfleisch und Glasreiniger in der Hand ein Taxi anhalten wollte, um in die Psychiatrie zu fahren. Welche Rolle Humor für ihn spielt. Und welche Hilfsangebote es für Menschen gibt, die Symptome bei sich entdecken - beispielsweise mehrere Früherkennungszentren.

Mehr zum Thema:

  • Elyn Saks: Die schizophrene Professorin  |   Elyn Saks war 16 als sie zum ersten Mal die Stimmen hörte: Du bist böse, sagten die zu ihr. Elyn hört immer wieder Stimmen, später lautet die Diagnose: Schizophrenie. Heute arbeitet Elyn Saks als Professorin an der University of Southern California.
  • Psychiatrie: Irren ist menschlich  |   Vier Geschichten zwischen Wahn und Wirklichkeit - in der "Einhundert"
  • Stimmen im Kopf: Hilfe durch Magnetstimulation  |   Hoffnung für Schizophrenie-Patienten: Wissenschaftler konnten die quälenden Stimmen im Kopf mit einer Magnetstimulation vertreiben.