Abends ein Gläschen Bier oder Wein zum Einschlafen? Keine gute Idee sagt eine Schlafforscherin, denn schon geringe Mengen Alkohol können unseren Schlaf beeinträchtigen.

Wenn wir Alkohol trinken führt das dazu, dass wir – vor allem in der zweiten Nachthälfte öfter aufwachen. "Der Schlaf ist dadurch fragmentierter", sagt Christine Blume, Schlafforscherin am Zentrum für Chronobiologie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel. Und das gebe uns das Gefühl, dass wir schlecht geschlafen haben

Studien hätten gezeigt, dass wir durch Alkohol weniger tief schlafen. Und gerade die Tiefschlaf-Phasen sind wichtig für unsere Erholung.

"Alkohol kann auch schlechte Träume und Albträume begünstigen."
Christine Blume, Schlafforscherin am Zentrum für Chronobiologie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Alkohol wirkt sich entspannend auf die Muskulatur aus, das wiederum kann aber zur Folge haben, dass wir stärker schnarchen. Manche haben – je nach Veranlagung – sogar Atemaussetzer. "Und auch das stresst den Körper", sagt Christine Blume. Weil Alkohol zudem unseren Harndrang fördert und Durst auslöst, kommen noch mehr Störfaktoren hinzu.

Guter Tiefschlaf ist erholsam

Normalerweise weiß unser Körper genau, was er braucht und holt sich das auch, erklärt die Schlafforscherin. "Wenn ich den Alkohol weglasse, dann kann ich davon ausgehen, dass der Körper genau die richtige Menge Tiefschlaf bekommt. Und das führt dazu, dass wir uns morgens frisch fühlen."

"Studien bestätigen, dass man durch die entspannende Wirkung schneller einschläft."
Christine Blume, Schlafforscherin am Zentrum für Chronobiologie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Der erholsame Schlaf ist schon bei kleinen Mengen Alkohol beeinträchtigt, also zum Beispiel bei ein bis zwei kleinen Gläsern Wein oder Bier. Allerdings bestätigen Studien auch, dass Alkohol uns schneller einschlafen lässt – weil er auf Rezeptoren wirkt, die unsere Gehirnfunktion dämpfen.

In der ersten Nachthälfte haben wir dann auch mehr Tiefschlaf, aber in der zweiten Nachthälfte wird es nach Alkoholkonsum eher unangenehm.

"Unterm Strich muss man sagen: Alkohol und guter Schlaf – das passt einfach nicht zusammen."
Christine Blume, Schlafforscherin am Zentrum für Chronobiologie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Also lieber selten trinken, dafür etwas mehr oder immer wenig, dafür regelmäßig? Christine Blumes Antwort: Lieber selten trinken. Gelegentlich eine schlechte Nacht gegenüber regelmäßigem unruhigen Schlaf sei weniger gravierend.

Sie warnt auch davor, Schlafprobleme mit regelmäßigem Alkoholkonsum vermeintlich selber in den Griff bekommen zu wollen, denn das könne schnell in einer Abhängigkeit enden – und es hilft eben auch nicht.