Manch einer braucht sechs Stunden Schlaf pro Nacht, andere benötigen neun Stunden, um gut klar zu kommen und leistungsfähig zu sein. Bei Patienten, die Schlafstörungen haben, wendet die Schlafforscherin Christine Blume lieber Verhaltenstherapie an, als Medikamente zu verschreiben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schläft angeblich nur vier Stunden pro Nacht. Dass das wirklich stimmt, stellt die Psychologin und Schlafforscherin Christine Blume infrage. Sie sagt: Dauerhaft zu wenig zu schlafen, schwächt das Immunsystem. Der Körper nutzt den Schlaf, um eine Art "Housekeeping" zu betreiben, sagt die Schlafforscherin. Während wir schlafen, räumt unser Körper auf: Beispielsweise baut er den Stoff Adenosin ab, der sich im Lauf des Tages in unserem Gehirn anammelt.

"Schlaf ist so ein bisschen wie Housekeeping, es wird so ein bisschen aufgeräumt. Zum Beispiel werden Stoffwechsel-Abbauprodukte abgebaut, die sich im Tagesverlauf im Gehirn angesammelt haben."
Christine Blume, Schlafforscherin

Auch Stoffwechselprozesse werden stark durch den Schlaf reguliert. Wissenschaftler haben herausgefunden, sagt Christine Blume, dass Schichtarbeiter, die auch nachts arbeiten, häufiger Übergewicht haben. Das hänge damit zusammen, dass diese Menschen auch nachts essen, wenn der Körper eigentlich nicht so gut in der Lage ist, Nahrung gut zu verarbeiten.

"Ich glaube, wer erfolgreich sein will, der muss ausreichend schlafen. Das geht uns heute manchmal ein bisschen verloren in unserer Gesellschaft, dass wir ein bisschen auf den eigenen Körper hören, was der eigentlich braucht."
Christine Blume, Schlafforscherin

Der Körper nutzt den Schlaf auch, um Informationen weiter zu verarbeiten – zum Beispiel anspruchsvolle Bewegungen, die wir ausführen, wenn wir ein Instrument lernen oder tagsüber einen Tanz einstudiert haben. Oft können wir die trainierte Bewegung am nächsten Tag noch etwas besser ausführen, wenn wir zwischendurch geschlafen haben. Studien geben auch Hinweise darauf, dass wir komplexe Informationen wie Worte oder Bedeutungen sogar im Tiefschlaf lernen können, wenn auch mit Einschränkungen.

Schlafstörungen mit Verhaltenstherapie behandeln

Die Psychologin Christine Blume arbeitet mit Patienten, die unter Schlafstörungen leiden. Für die Behandlung von Insomnie nutzt sie die Methode der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Schlafforscherin sagt, dass sie eine Therapie, die zu einer Verhaltensänderung führt, einer Behandlung durch Medikamente bevorzugt. Das sei zwar aufwendiger, weil es dem Patienten einen größeren Einsatz abverlangt, aber langfristig wirke es deutlich besser und effektiver.

"Viele Patienten mit Schlafstörungen setzen sich auch unheimlich unter Druck und sagen: Jetzt kann ich wieder nicht einschlafen, und ich muss doch morgen Leistungen bringen."
Christine Blume, Schlafforscherin

Die Patienten dürfen sich während ihrer Therapie beispielsweise erst ins Bett legen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie innerhalb von 15 bis 20 Minuten einschlafen können. Gelingt ihnen das nicht, haben sie die Anweisung, wieder aufzustehen und etwas zu tun, was sie emotional nicht aufwühlt. Sie dürfen abwaschen, Wäsche zusammenlegen oder etwas lesen oder kochen. Erst, wenn sie das Gefühl haben, dass sie einschlafen könnten, dürfen sie sich wieder in ihr Bett legen.

Portrait der Schlafforscherin Christine Blume
© Michael Brauer
Die Schlafforscherin Christine Blume

Das Ziel dieser Verhaltenstherapie ist es, eine Assoziation zwischen dem Bett und dem Schlafen herzustellen. Und den Patienten außerdem den Druck zu nehmen, den sie sich oft selbst machen, weil sie in schlaflosen Stunden oft darüber nachdenken, dass sie einschlafen müssten, um am nächsten Tag Leistung erbringen zu können.

"Es geht darum, das Verhalten zu ändern und eine Assoziation zwischen dem Bett und dem Schlaf herzustellen und es darüber dem Patienten zu erleichtern, einzuschlafen."
Christine Blume, Schlafforscherin

Wer unter der Woche zu wenig schlafe, könne diesen Schlaf auch am Wochenende nachholen, sagt die Schlafforscherin – Dabei räumt sie ein, dass es Wissenschaftler gibt, die eine widersprüchliche Meinung dazu haben. Aber: Eine schwedische Studie habe festgestellt, dass es für die Sterblichkeit keinen Unterschied macht, ob wir den Schlaf, der uns unter der Woche fehlt, am Wochenende wieder aufholen, sagt Christine Blume.

Schlafdefizit am Wochenende ausgleichen

Andere Studien, die sich die Physiologie der Testpersonen anschauen, kommen zu dem Ergebnis, dass es schon einen Unterschied macht, wenn wir beispielsweise fünf Tage am Stück zu wenig schlafen und an den folgenden zwei Tagen versuchen, dieses Schlafdefizit wieder aufzuholen. Wie ausschlaggebend das im Endeffekt ist, sei aber schwer festzustellen, sagt die Schlafforscherin.