Wenn potenziell Gefahr droht, sollten wir das auch im Schlaf mitbekommen. Deswegen nimmt unser Gehirn bestimmte Geräusche auch im Schlaf gut wahr.

Frischgebackene Eltern werden möglicherweise vom kleinsten Schluckauf oder dem sanftesten Wimmern ihres Babys geweckt und Haustierbesitzer vom Hecheln ihres Hundes, der mitten in der Nacht dringend vor die Tür muss. Wir scheinen auch im Schlaf für Geräusche sensibilisiert zu sein, die für uns wichtig sind.

Manchmal schrecken wir nachts von einem Donnern kurz auf und schlafen dann sofort wieder ein, wenn wir festgestellt haben, dass das Gewitter ja draußen stattfindet und wir drinnen unter unserer kuscheligen Decke gar nicht davon tangiert werden.

Früher herrschte die Annahme, dass das Gehirn von der Umwelt abgeschottet sei, wenn wir schlafen. Es ergebe aber Sinn, dass es auch während des Schlafes die Verbindung zur Umgebung aufrechterhalte und im Notfall auch eine Weckreaktion hervorrufe, wenn es etwas potenziell Gefährliches feststelle, sagt die Schlafforscherin Christine Blume.

"Wenn wir schlafen, ist es schwieriger, denn in diesem Zustand können wir nicht darauf antworten, ob wir etwas wahrgenommen haben."
Christine Blume, Schlafforscherin

Christine Blumes Forschungsergebnisse zu diesem Thema wurden nun von einer israelischen Studie bestätigt. Die Forschenden hatten sich die Frage gestellt, wie wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, dass unsere Ohren auch im Schlaf zuhören.

Sie erforschten auch, wie unser Hirn diese Informationen verarbeitet und wie diese Wahrnehmung dann in unser Bewusstsein vordringt. Vor allem interessierte sie dabei, wie sich die bewusste Verarbeitung von Geräuschen von der unbewussten unterscheidet – also im Wachzustand versus im Schlaf.

Hirn versucht, Aussagen über zukünftige Ereignisse zu treffen

Ein Hinweis darauf, den die Forschenden überprüften, war, ob das Hirn auf im Schlaf auf akustische Reize reagiert. Dafür schauten sie sich die Kommunikation von Nervenzellen untereinander an und untersuchten, ob sich der Sauerstoffverbrauch in verschiedenen Hirnregionen verändert, was ein Indikator für deren Aktivität ist.

"Das Gehirn lauscht auch im Schlaf der Umwelt, also wenn wir davon bewusst nichts mehr mitbekommen."
Christine Blume, Schlafforscherin

Im Wachzustand versucht unser Hirn mithilfe der Wahrnehmungen, die es verarbeitet, zukünftige Ereignisse zu antizipieren. Außerdem gibt es auch Feedback-Prozesse als Reaktion auf bestimmte Reiz, die im Hirn ankommen. Dieses Phänomen zeigt sich beispielsweise, wenn wir eines unserer Lieblingslieder hören und schon wissen, wie die Melodie weitergeht oder anderenfalls auch sofort bemerken, wenn sich falsche Töne einschleichen, sagt Christine Blume.

Das Ergebnis der israelischen Studie mit 13 Proband*innen: Diese Feedback-Reaktionen seien während des Schlafes weitgehend heruntergefahren. Und das sei auch der entscheidende Unterschied zwischen bewusster und unbewusster Geräuschverarbeitung, sagen die Forschenden.

Wütende und unbekannte Stimmen rufen stärkere Reaktion hervor

Dass wir während des Schlafes Geräusche hören können, hilft dem Hirn, die Umgebung zu beobachten und zu analysieren. Dadurch ist es möglich, dass unser Denkorgan ganz gezielt reagieren kann: Das heißt, dass es nicht schon beim kleinsten Geräusch eine Weckreaktion hevorruft, der wissenschaftliche Begriff dafür ist Arousal.

Die Forschenden konnten nachweisen, dass Menschen stärker auf wütende als auf neutrale und genauso eher auf unbekannte als auf bekannte Stimmen reagiert haben. Sozusagen auf Veränderungen in unserer gewohnten Umgebung, die als Hinweis auf eine Gefährdung verstanden werden könnten.