Ihr liegt im Bett und wollt einschlafen, aber es passiert nichts. Beim Facharzt kommt ihr nur auf die Warteliste. Was jetzt? Bei Schlafstörungen können auch Online-Therapien helfen, sagt Schlafforscherin Christine Blume. In Deutschland soll so ein Programm bald starten.

Eine Insomnie, also Ein- und Durchschlafstörungen, kennen viele Menschen nur zu gut. Forschende vermuten, dass 20 bis 30 Prozent der Menschen signifikante Schlafprobleme haben, sagt Schlafforscherin Christine Blume vom Centre for Chronobiology in Basel.

Was gegen Schlafstörungen helfen kann, ist eine Therapie. Allerdings sind Therapieplätze – wie immer – begrenzt. Gerade für Menschen mit Ein- und Durchschlafstörungen, kann daher eine Online-Therapie eine Alternative sein.

Online-Therapien sind effektiv

Studien zeigen schon länger, dass Online-Therapien effektiv sind, berichtet Christine Blume. Das britische Unternehmen Big Health meldet, dass es bei einem Test unter 7.078 Patientinnen und Patienten ihrer Online-Therapie in 56 Prozent der Fälle Erfolge gegeben hätte. In vergleichbaren Therapien mit einem Therapeuten seien es im britischen Gesundheitssystem hingen 50 Prozent, wie Big Health in einem Report schreibt, der Deutschlandfunk Nova vorliegt.

"Dass Online-Therapien effektiv sind, wissen wir schon länger. Dass sie sogar besser ist, überrascht mich."
Christine Blume, Schlafforscherin am Centre for Chronobiology Basel

Dass eine Online-Therapie effektiver als eine reguläre Therapie sei, wie Big Health in seinem Bericht meldet, überrascht die Schlafforscherin: "Normalerweise schreiben wir der Interaktion zwischen Patient und Therapeut einen Teil des Effektes zu. Und bei Sleepio gibt es maximal eine Beziehung zu einem Avatar."

Big Health hat ihr Online-Therapie-Programm "Sleepio" zusammen mit den britischen Gesundheitsbehörden zur Behandlung von Insomnie entwickelt. Innerhalb von sechs Wochen sollen Patienten in wöchentlichen Modulen mehr über ihren Schlaf lernen. Sie beschäftigen sich also mit den Gründen und Gedanken, die sie vom Schlafen abhalten. Gleichzeitig leitet das Programm sie dazu an, ihr Verhalten für einen besseren Schlaf zu verändern.

Kognitive Verhaltenstherapie online

Die Online-Therapie vermittelt Nutzerinnen und Nutzern also Inhalte, die auf Konzepten der kognitiven Verhaltenstherapie basieren, erklärt die Schlafforscherin. Das sei aktuell die gängigste Methode bei der Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen. Statt mit einer Fachärztin zusammen zu arbeiten, begleitet die Patienten von Sleepio eben ein Avatar.

An einer ähnlichen Online-Therapie arbeiten gerade Forschende des Universitätsklinikums Freiburg. Ihr Programm "Get Sleep" soll schon bald im Rahmen eines Tests anlaufen.

Verfügbar, anpassbar und niederschwellig

Was Online-Programme so attraktiv macht: Sie sind immer verfügbar. Als App könne die Online-Therapie viele Menschen erreichen, so die Schlafforscherin. Die Betroffenen müssten keinen großen Aufwand betreiben, um mit einer Therapie zu starten - ganz im Gegensatz zur Suche nach einem Therapieplatz bei einem Schlafspezialisten.

"Wir gehen derzeit eigentlich davon aus, dass ungefähr 20 bis 30 Prozent der Menschen an bedeutsamen Schlafstörungen oder Schlafproblemen leiden. Allen einen Therapieplatz beim speziell ausgebildeten Therapeuten zu bieten, das ist utopisch."
Christine Blume, Schlafforscherin am Centre for Chronobiology Basel