Manche Menschen vergessen im Urlaub ihre Alltagssorgen und schlafen dadurch besser. Doch der ist irgendwann vorbei. Schlafforscherin Christine Blume empfiehlt Übungen, um auch zuhause die Sorgen nicht mit ins Bett zu nehmen und besser zu schlafen.

Einige Menschen beobachten, dass sie woanders, etwa im Hotel oder bei Freunden, schlechter schlafen als zuhause. Bei anderen ist es aber genau umgekehrt: Sie schlafen woanders besser – und das sind in der Regel diejenigen, die zuhause Einschlaf- oder Durchschlaf-Probleme haben.

Letztere müssten nicht einmal in den Urlaub fahren, sagt Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel. Teilweise würden sie sogar im Schlaflabor gut schlafen.

Zu viel Druck, schlechter Schlaf

Im Schlaflabor ist die Umgebung eine ganz andere. Elektroden und Kabel am Kopf und im Gesicht, Atemmessung in der Nase – alles Dinge, die einem das Schlafen erschweren können. Aber gerade weil es eine andere Umgebung ist, auf die sie keinen Einfluss haben, schlafen manche Menschen hier überraschenderweise gut.

Sie seien zuhause häufig so auf ihren guten Schlaf fixiert, sagt Christine Blume, dass sie sich unter Druck setzen - und dann erst recht nicht schlafen.

Gesunde Schläfer und Schläferinnen dagegen schlafen häufig in der ersten Nacht an einem anderen Ort eher schlecht. Grund könnte sein, dass sie sich an einem neuen Ort nicht hundert Prozent sicher fühlen, meint Christine Blume. Der Körper ist angespannt oder in Bereitschaft und dadurch schlafen wir nicht so tief oder wachen öfter auf.

Alltag verändern statt in den Urlaub fahren

Meist stellt sich dann aber im Urlaub ein guter, erholsamer Schlaf ein. Christine Blume erklärt den besseren Urlaubsschlaf mit der Abwesenheit von Sorgen und Alltagsproblemen. Einer ihrer Patient*innen hat ihr berichtet, dass er als Backpacker unterwegs auch sehr gut schlafe, obwohl dass ein eher stressiger Urlaub ist.

Ständig muss er Reiseprobleme lösen wie: Wie komme ich von A nach B? Wo schlafe ich heute Nacht? Wo bekomme ich etwas zu essen? Der Unterschied zu den Alltagsproblemen zu Hause: Sie sind konkret und lösbar. Zu Hause dagegen überlagern sich Probleme, sind diffus und bereiten uns so Sorgen, die sich beim Einschlafen verfangen, sagt die Schlafforscherin.

"Die Sorgen verfangen sich beim Einschlafen wie Kletten in unseren Gedanken."
Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Zwar sei es schon richtig, gerade im Urlaub die Erholung und somit auch einen guten, erholsamen Schlaf in den Vordergrund zu stellen. Wer aber gezielt in den Urlaub fährt, um dort gut zu schlafen, müsse sich fragen, was er im Alltag verändern kann, damit das Schlafen grundsätzlich besser klappt, rät Christine Blume.

Besserer Schlaf dank Achtsamkeits- und Entspannungsübungen

Zum Beispiel könnten wir versuchen, eine mentale Distanz zum Alltag herzustellen, die für den Schlaf wichtiger sei als die räumliche Entfernung wie beispielweise im Urlaub. Genau das sei die Schwierigkeit: Zu den Sorgen und Problemen Abstand gewinnen.

Mit Achtsamkeitsübungen könnten wir täglich trainieren, diesen Abstand herzustellen. Dabei fokussieren wir uns auf das Hier und Jetzt. Eine andere Entspannungstechnik sind Fantasiereisen, in denen wir gedanklich auf Reisen gehen und mental Abstand gewinnen.

  • Moderator:  Basti Schmitt
  • Gesprächspartnerin:  Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel