Egal ob für Konzerttickets oder ein neues Smartphone: Es gibt Dinge, für die Menschen stundenlang Schlange stehen - oder sogar zelten. Wer da keinen Bock drauf hat, mietet sich einen Line-Sitter - per App.

Inzwischen gibt es sogar schon mehrere Apps, die - gegen Geld - professionelle Schlangesteher vermitteln, genannt Line-Sitter. In einem Youtube-Video erwähnt einer der Anbieter mögliche Szenarien:

  • Es gibt nur wenige Tickets für eine besondere Veranstaltung
  • Ein neues, begehrtes Produkt kommt auf den Markt
  • Sehenswürdigkeiten für die man lange anstehen muss, wie den Petersdom im Vatikan

Zeit ist ja ein knappes Gut, und bevor wir selbst stundenlang untätig in der Schlange rumwarten, könnte das jemand anders für uns übernehmen. Per App können wir eintragen, für wie lange wir wo jemanden brauchen - und wenn es ein Match gibt, hab ich einen Aufpasser für meinen Platz in der Schlange.

Teures Vergnügen

Die Vermittler verdienen an dem Geschäft mit, indem sie sich eine Provision abzwacken. Für den Auftraggeber werden zwischen 15 und 25 Euro pro Stunde fällig. Wenn es länger dauert, gibt es auch Tagespauschalen, die liegen je nach Anbieter zwischen 400 und 500 Euro pro Tag. Bei schlechtem Wetter wird es teurer.

"Vor allem in den USA ist das Buchen von Line-Sittern inzwischen so beliebt, dass es sich also anscheinend für gleich mehrere Anbieter lohnt, da mitzumachen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Das Vergnügen, sich einen Line-Sitter zu leisten, ist nicht ganz günstig. Trotzdem ist das in den USA inzwischen so beliebt, dass gleich mehrere Unternehmen diesen Service anbieten.

Bezahlt werden fürs Nichtstun

Dass Menschen andere Menschen bezahlen, die sich für sie in die Schlange stellen, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler etwas merkwürdig. Und zwar nicht nur, weil es Menschen mit viel Geld Vorteile verschafft, die Menschen mit wenig Geld sich nicht leisten können.

Ihm geht es eher darum, dass diese Apps ein Konzept fördern, bei dem manche Menschen eine völlig sinnlose Arbeit verrichten, nämlich Warten, und das teilweise als Vollzeitjob.

Denn im Prinzip ließe sich das Problem auch anders lösen: Indem zum Beispiel im Netz Vorzugstickets angeboten werden. Oder die Premium-Schuhe einfach gegen einen Aufpreis auch ohne Warteschlange verkauft würden. "Dann könnten die Schlangensteher in der Zeit auch etwas Sinnvolles machen."

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