Schleim-Aale heißen so, weil sie sich mit Schleim verteidigen. Sie sondern eine kleine Menge Spezialflüssigkeit ab, aus der im Wasser so viel Schleim wird, dass dann sogar Haie keine Chance mehr haben.

Tiere verfügen über die unterschiedlichsten Schutzmechanismen, um einen körperlich überlegenen Gegner abzuwehren. Eine besonders ungewöhnliche Methode nutzt der Schleimaal. Er verteidigt sich mit einer Art Superschleim.

Der Schleimaal gibt, wenn er zum Beispiel von einem Hai bedroht wird, der ihn fressen will und zubeißt, aus rund 150 Schleimdrüsen eine kleine Menge Schleim ab - insgesamt einen Teelöffel voll. Schon innerhalb der nächsten Zehntelsekunde schwillt dieser Schleim im Wasser um das 10.000 fache an. Aus einem Teelöffel wird dann ein Fünf-Liter-Eimer Schleim.

Dieser Schleim füllt und verklebt, wegen seiner Zähigkeit innerhalb weniger Sekunden die Kiemenspalten des Hais, der gerade zubeißen will, so dass der seinem Blutkreislauf keinen Sauerstoff mehr zuführen kann und zu ersticken droht, wenn er nicht schleunigst das Weite sucht.

Verteidigung mit einer Menge Schleim

Schweizer Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die massive Zunahme des Schleims innerhalb einer Zehntelsekunde mit Hilfe von Proteinknäueln funktioniert. Sie befinden sich im Inneren des Schleims und sind weniger als einen Millimeter groß und faserig.

Wenn diese Knäuel mit Wasser in Berührung kommen, entfalten sie sich blitzartig zu 15 Zentimeter langen, verdrillten Gewebefäden. Und diese Fäden untereinander vernetzen sich wiederum zu einem Netz, das Unmengen von Wasser binden kann. Dadurch entsteht ein durchsichtiger, zäher und klebriger Schleim, der erstaunlicherweise zu fast 100 Prozent aus Wasser besteht und nur zu 0,004 Prozent "Geliermittel" enthält.

Ihren Superschleim sondern Schleim-Aale aber auch dann ab, wenn sie unter Stress kommen. Das war bei einem Autounfall in den USA zu beobachten.

Szene wie aus Horrorfilm

Im Juli 2017 hatte ein mit Tausenden leben Schleim-Aalen beladener Lastwagen auf einem Highway in Oregon einen Unfall und überschlug sich. Die Schleim-Aale, die eigentlich als Delikatesse für ein Restaurant in Südkorea bestimmt waren, landeten auf der Straße und überzogen sofort den ganzen Highway und ein nachfolgendes Auto mit einer dicken Schleimschicht. Augenzeugen beschreiben die Szene wie aus einem Horrorfilm.

Nach Ansicht des amerikanischen Tiefseeökologen Andrew Thaler setzen Schleimale den Schleim auch ein, um Nahrungskonkurrenten auszuschalten. Wenn die Tiere sich zum Beispiel an einem Walkadaver den Bauch vollschlagen, dann übergießen sie den Walkadaver mit einer derartigen Schleimschicht, dass andere Aasfresser nicht mehr zum Zuge kommen können. Weil sie den Schleim eben nicht durchdringen können.

Schleim-Aale sind "lebende Fossilien"

Schleim-Aale gehören trotz ihres Namens und ihres aalähnlichen Aussehens nicht zu den Aalen. Sie zählen zu einer sehr primitiven, sehr ursprünglichen Wirbeltiergruppe, den sogenannten "Kieferlosen". Ihre Länge liegt zwischen 35 und 65 Zentimetern und ihre Haut ist nicht mit Schuppen bedeckt, sondern von einer dicken Schleimschicht umgeben.

Es gibt rund 80 Arten von Schleim-Aale, die in fast allen Meeren in Tiefen zwischen 30 und 2.000 Metern vorkommen. Schleim-Aale existieren schon seit über 300 Millionen Jahren und gehören deshalb zu den sogenannten "lebenden Fossilien". Sie sind Zwitter, haben also männliche und weibliche Geschlechtsorgane.

Schleim-Aale ernähren sich von kleinen Bewohnern des Meeresbodens, wie Muscheln oder Würmern. Sie greifen aber auch gerne verletzte und wehrlose Tiere an wie zum Beispiel Fische, die in Grundnetzen gefangen sind. Dadurch sind sie bei Fischern nicht besonders beliebt.

Vor allem sind Schleim-Aale aber Aasfresser. Sie fressen die Kadaver großer Meerestiere wie Fische oder Wale, die auf dem Meeresboden liegen.