Es ist emotional und nicht leicht: Doch manchmal ist es besser, einen Schlussstrich unter eine Freundschaft zu ziehen, wenn sie uns nicht mehr guttut. Wie wir das hinbekommen können, weiß Psychologin Pia Kabitzsch.

Wir lachen und weinen zusammen, rennen gemeinsam durchs Leben: Mit guten Freundinnen und Freunden geht alles leichter. Freundschaften können aber auch enden - wenn man nicht mehr dieselben Interessen hat oder sich auseinanderlebt.

Wenn wir das Gespräch suchen, sollten wir einen ruhigen Moment unter vier Augen wählen und dabei so gut es geht sachlich bleiben, rät Psychologin Pia Kabitzsch.

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Im Gespräch sollten wir möglichst "Ich-Botschaften" verwenden - also von uns sprechen und erklären, wie es uns geht. So kann der Freund oder die Freundin unsere Gründe besser nachvollziehen und fühlt sich weniger angegriffen, erklärt die Psychologin.

"Es ist auch wichtig, Verständnis zu zeigen, wenn sich die andere Person vielleicht überrumpelt fühlt und erstmal Zeit braucht, um nachzudenken."
Psychologin Pia Kabitzsch

Pia Kabitzsch meint, dass es in einer Freundschaft meistens beide spüren, wenn es nicht mehr so gut läuft. Trotzdem könnte so ein grundsätzliches Gespräch für den oder die andere überraschend kommen. Wenn das so ist, sollte man das Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Oder aber man kündigt vorher an, worüber man sprechen will, etwa so: "Mir geht es in unserer Freundschaft grade nicht so gut, ich würde gerne mit dir darüber sprechen. Mach dir doch vielleicht auch ein paar Gedanken dazu."

In einem Brief alles aufschrieben

Es kann passieren, dass wir bei unserem Gegenüber auf taube Ohren stoßen, dass der oder die andere einfach nicht wahrhaben will, was wir sagen und fühlen. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, wenn wir unsere Gedanken in einem Brief formulieren, sagt Pia Kabitzsch - und so ein stark konfrontatives Gespräch vermeiden.

Wenn die Freundschaft nur noch auf Vergangenheit basiert

Wenn man sich auseinandergelebt hat, dann gibt es keine gemeinsamen Erlebnisse mehr. Manche Freundschaften bestehen nur noch aus Erinnerungen - aus Dingen, die man früher mal zusammen unternommen hat. Das komme gar nicht so selten vor, so Pia Kabitzsch.

"Wir verändern uns im Leben. Und wir formen die meisten Freundschaften im Kindes- und Jugendalter."
Psychologin Pia Kabitzsch

Auch ihr selbst sei das schon passiert: Nach dem Abitur lebte sie eine Zeit lang in den USA, ihre beste Freundin ist in Berlin geblieben. "Danach haben wir beide gemerkt: Es ist nicht mehr so wie früher." Freundschaft könne man eben nicht erzwingen. Manche Freundschaften hielten eine Distanz auf längere Zeit aus, andere nicht.

Schuldgefühle bringen uns nicht weiter

Eine Freundschaft zu beenden ist nie leicht - auch nicht für denjenigen, der den ersten Schritt geht. Vielleicht fühlen wir uns danach schuldig oder schlecht. "In diesem Fall sollten wir uns klarmachen, dass es total normal ist, dass uns so etwas mitnimmt", sagt Pia Kabitzsch, und: "Freundschaften sind auch endlich."

Es helfe dann, nach vorne zu blicken ins Hier und Jetzt und sich auf die Freundschaften zu konzentrieren, die man noch habe.

"Ghosting - das ist das allerschlimmste, was man machen kann."
Psychologin Pia Kabitzsch

Gerade weil es nicht einfach ist, einen Schlussstrich zu ziehen, gehen manche einen anderen Weg: Sie melden sich einfach nicht mehr, meiden die andere Person. Pia Kabitzsch hat zu diesem Ghosting eine ziemlich klare Meinung: "Wenn man lange und eng miteinander zusammen war, finde ich das ziemlich respektlos", sagt sie. Auch wenn sie verstehen könne, dass manche Menschen das aus Angst vor Konfrontation so machen. Miteinander reden sei immer der bessere Weg und fair dem anderen gegenüber.

  • Moderatorin:  Lena Mempel
  • Gesprächspartnerin:  Pia Kabitzsch, Psychologin