Die Welt ist der einzige Planet mit Schokolade – ein beliebter Spruch von Schokojunkies. Doch Schokolade aus echten Kakaobohnen könnte künftig knapper werden. Was das mit dem Klimawandel zu tun hat und welche Alternativen gerade auf den Markt kommen.
Vielleicht habt ihr sie schon im Supermarktregal gesehen – Süßigkeiten mit vermeintlicher Schokoglasur. Oder auch ganze Tafeln. Nur bestehen die nicht wie gewohnt aus Kakao, sondern beispielsweise aus Sonnenblumenkernen.
Warum gibt es Schokolade ohne Kakao?
Wer Schokolade liebt, denkt sich nun vielleicht empört: Warum sollte man Schokolade ohne Kakao machen? Ein Grund dafür: Schokolade ist seit geraumer Zeit ziemlich teuer geworden.
"Die vergangenen Ernten waren schlecht, gleichzeitig ist die Nachfrage hoch. Das hat zu extremen Preisschwankungen bei Kakao geführt."
Food-Journalistin, Bäckerin und Patissière Julia Floß hat sich genauer angeschaut, warum kakaofreie Schokoprodukte auf den Markt kommen. Sie hat kakaolose Alternativen auch probiert und gibt ihre Einschätzung als Profi.
Zunächst sagt sie: Schokolade, die nicht aus Kakaobohnen hergestellt wurde, ist keine Schokolade. Es ist also so wie mit Soja- oder Haferdrinks, die eben nicht als Milch bezeichnet werden dürfen. Deshalb suchen Unternehmen für ihre Produkte auch eigene Namen.
"Rein rechtlich darf das gar nicht Schokolade heißen, weil dafür Kakao enthalten sein muss."
Die Alternativen-Hersteller verwenden unterschiedliche Ersatzstoffe für Kakao. Julia Floß hat eine bekannte Variante mitgebracht: Sie "besteht aus Sonnenblumenkernen, die fermentiert und geröstet und anschließend mit Fett und Zucker zu einer Masse verarbeitet werden", erklärt sie. Das Ergebnis sieht laut der Journalistin nicht nur ähnlich aus wie echte Schokolade, es schmeckt auch ähnlich.
Ähnlicher Herstellungsprozess, ähnliches Ergebnis?
Das liege daran, dass die Herstellung ähnlich abläuft: "Kakaobohnen werden ebenfalls fermentiert und geröstet – erst dadurch entsteht der typische Schokoladengeschmack", erklärt die Patissière.
Andere Hersteller setzen statt auf Sonnenblumenkerne auf Früchte vom Johannisbrotbaum oder Haferflocken. "Das Ergebnis kann dann tatsächlich schmelzen und sich im Mund ziemlich schokoladig anfühlen", sagt Julia Floß.
"Ich habe schon mal drei Kekse hintereinander weggesnackt und habe nicht gemerkt, dass da kein Kakao drin ist."
Vor allem als Glasur auf Keksen oder kleingehackt im Müsli fällt nicht direkt auf, wenn Ersatzschokolade verwendet wurde, findet Julia Floß. Bei einer ganzen Tafel – vor allem im Vergleich zu hochwertigen Produkten – sehe das anders aus, sagt sie. "Da merkt man, dass das Aroma anders ist. Echte Schokolade hat diese Tiefe und Komplexität, die so eine Sonnenblumenkernmasse nicht hundertprozentig kopieren kann."
Ist Schokolade ohne Kakao besser fürs Klima?
Ein bekannter Schoko-Alternativen-Hersteller wirbt übrigens damit, dass sein kakaofreies Produkt eine bessere Ökobilanz habe als echte Schokolade.
Tatsächlich steht hinter Kakao und Schokolade eine aufwendige Lieferkette, erklärt Julia, "die Sonnenblumenkerne hingegen kommen aus Europa, zum Beispiel aus Bulgarien. Dadurch sind die Transportwege kürzer". Insofern könne man nach dieser Rechnung durchaus sagen, dass die Ökobilanz besser ist.
Günstiger ist die Schokoalternative jedoch nicht. Laut dem SWR, der bei dem Hersteller Choviva nachgefragt hat, liegt das unter anderem an den aufwendigen Produktionsprozessen und der bisher geringen Produktmenge.
Kakaobohnen, Klimawandel und die Folgen
Ein weiterer Punkt ist, dass Kakaobohnen in Regionen angebaut werden, die vom Klimawandel betroffen sind. Die Probleme rund um Anbau und Ernte dürften sich also eher verstärken. Die Lebensmittelindustrie ist auch deswegen interessiert daran, kakaofreie Alternativen zu schaffen, erklärt die Journalistin.
"Was machen wir, wenn ein wichtiger Rohstoff wie Kakao durch Klimawandel, Krankheiten und Wetterextreme immer unsicherer wird?"
Ist die Alternative gesünder?
Und wer denkt: "Mega, schmeckt zumindest auf Keksen genauso und hat offenbar eine bessere Klimabilanz – ist die Schokoalternative womöglich auch noch gesünder?", den muss Julia Floß enttäuschen: "Kakaobohnen sind genauso wie Sonnenblumenkerne grundsätzlich nährstoffreiche Lebensmittel. Aber hier sprechen wir ja über hochverarbeitete Produkte – mit viel Zucker und Fett. Von gesund oder gesünder kann man da wirklich nicht sprechen."
