Der Vorsitzende eines Kieler Kleingartenvereins will keine weiteren Migranten in bestimmten Anlagen mehr aufnehmen. Dafür erntet er Zuspruch – aber auch viel Kritik.

In deutschen Kleingartenvereinen herrschen ganz klare Regeln. Im Bundeskleingartengesetz gibt es dafür genaue Vorgaben: Gartenlauben dürfen beispielsweise nicht größer als 24 Quadratmeter sein. Und überwachen, ob und wie dieses Gesetzesvorgaben eingehalten werden, muss der Vorsitzende eines Kleingartenvereins.  

"Ich wusste natürlich nicht, was für ein Riesenaufstand das wird. Und diese Unterstellungen, die dann kommen mit Rassismus."
Axel Zabe, Vorsitzender im Kieler Kleingartenverein von 1897

Axel Zabe ist so ein Vorsitzender. Knapp 2.400 Gärten zählt Kieler Kleingartenverein von 1897. Die verteilen sich auf 54 Anlagen über die ganze Stadt. Und in diesen Anlagen hat Axel Zabel Entwicklungen ausgemacht, die ihm nicht gefallen: Neue Vereinsmitglieder hielten sich immer seltener an die Regeln, sagt der Vorsitzende. Zu große Lauben, zu hohe Hecken und wenig Mitarbeit bei Gemeinschaftsprojekten. Oft seien diese neuen Mitglieder Migranten. Weshalb der Vorsitzende einen Aufnahmestopp für diese Bevölkerungsgruppe ausgerufen hat. Dafür erhält er viel Zuspruch, aber auch harsche Kritik.

Wie viele Regelverstöße es genau gibt, kann Axel Zabe nicht sagen. Auch den genauen Migrantenanteil im Verein kennt er nicht. Er schätzt, dass es insgesamt ungefähr 10 Prozent seien. Doch auf einigen Flächen sei der Anteil sehr hoch. Zum Beispiel in der Anlage Kollhorst. Hier will er keine weiteren Migranten mehr aufnehmen.

"Das ist natürlich so, dass die einen ganz anderen Lebensstil haben als wir, das ist ja vollkommen klar. Das geht damit los, dass hier zum Teil geschlachtet und geschächtet wird."
Axel Zabe, Vorsitzender im Kieler Kleingartenverein von 1897

Axel Zabe behauptet, dass in den Kleingartenanlagen illegal Tiere geschlachtet und geschächtet würden, der Beweis dafür bleibt er bislang allerdings schuldig. In den vergangenen Wochen hat sich auch die Stadt Kiel eingeschaltet und die Anlage in Kollhorst besucht. 70 der 88 Gärten wurden beanstandet. Die Pächter stammen aus Deutschland und aus dem Ausland. 

Mischos Onkel wird es zu stressig

Auch Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Kulms war in Kieler Kleingärten unterwegs. Dort hat er auch mit Mischo* gesprochen, dem Neffen eines syrischen Pächters. In seiner Kultur sei man immer als Familie zusammen, sagt der. Und in diesem langen Sommer sei seine Familie eben viel draußen gewesen. Mischo sagt auch, dass die anderen Pächter wüssten, dass Kinder ein bisschen lauter seien, und dass die Nachbarn in den anliegenden Parzellen nicht übertreiben sollten.

Allerdings hat auch Mischos Onkel wegen einiger Regelverstöße Post von der Stadt Kiel bekommen: Die Laube müsse kleiner werden und der Schornstein weg, heißt es da. Seinem Onkel werde es inzwischen zu stressig, sagt Mischo – er überlege sich, den Garten aufzugeben.

*Name von der Redaktion geändert

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